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It's All About Love

Maceo Parker

Leopard/GoodToGo N77051
(46 Min., 11/2017)

Zu Deutschland hatte Maceo Parker, der an der Seite von James Brown zu Weltruhm aufstieg, in den vergangenen Jahrzehnten ein besonderes Verhältnis: Anfang der 1990er Jahre feierte der Altsaxofonist auf dem Kölner Label Minor Music einen erstaunlichen Karriere-Relaunch, später arbeitete er erfolgreich mit dem Produzenten Joachim Becker zusammen.
Kein Wunder also, dass das Album, mit dem Parker seinen 75. Geburtstag feiert, in Deutschland entstand: Gemeinsam mit der WDR Big Band, die auch schon die letzten beiden Platten der Funk-Legende mit Pauken und Trompeten unterstützte, zelebriert der Jubilar die Macht der Liebe.
Verstärkt um die ehemalige Prince-Drummerin Cora Coleman und den E-Bassisten Carroll Dashiell interpretieren Parker und die von Michael Abene dirigierte Kölner Big Band sieben Stücke aus dem Fundus der Jazz-, Pop- und Black-Music-Geschichte zwischen 1950 und 1976, die allesamt das Wort „Love“ im Titel tragen.
Lautete Parkers viel zitierte musikalische Rezeptur einst „2% Jazz and 98% funky stuff“, so hat sich der Jazzanteil dank der Soli u.a. von Hammond-Spezialist Frank Chastenier und Brecker-Wiedergänger Paul Heller nun signifikant erhöht. Und an die Stelle des „funky stuff“ ist der Soul getreten, dem Parker wie auf den Produktionen zuvor als Sänger die Ehre erweist.
Ray Charles, das Jugendidol des Saxofonisten, und die gutturalen Schreie und Stöhner des früheren Arbeitgebers James Brown sind hörbare Quellen, aus denen Parker seelenvoll bei Stücken wie „Who's Making Love“ oder „Gonna Put Your Lovin' In The Lay Way“ schöpft. Schön dann aber auch, wie er bei der Ballade „Love Won't Let Me Wait“ gänzlich auf heisere Growls verzichtet und sich ganz verletzlich gibt.
Mindestens genauso Gänsehaut erregend ist es allerdings, wenn Parker zu seinem Horn greift und mit seinem stets wiedererkennbaren Ton seine charakteristisch rhythmisierten Soli spielt – bei Stevie Wonders „Isn't She Lovely“ tritt dann auch die Altsaxofonistin Karolina Strassmayer hinzu und zeigt, welche Spuren der Personalstil Maceo Parkers im zeitgenössischen Jazz hinterlassen hat. Man muss ihn einfach lieben.

Josef Engels, 14.04.2018



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