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Home Of My Heart

Chris Walden Big Band

Content Records/Edel 0162372
(77 Min., 9/2002, 1/2003) 1 CD

Wenn man so will, ist der Arrangeur, Komponist, Trompeter und Big-Band-Leader Chris Walden ein bisschen der Roland Emmerich des Jazz. Der Deutsche produziert amerikanische Kunst im großen Stil, weiß Stars hinter sich und hat jetzt eine CD vorgelegt, die von einer ähnlich üppigen Blockbuster-Qualität ist wie die Filme des schwäbischen Regisseurs. Mit "Home Of My Heart" zeigt der 1966 in Hamburg geborene und dreißig Jahre später nach Los Angeles emigrierte Walden, dass er die Big-Band-Palette in all ihren Facetten zu benutzen weiß. Der Auftakt "Cherokee" weist ihn als neotraditionalistischen Arrangierfuchs in der Nachfolge eines Thad Jones aus, seine schlanke und wohlgefällige Umarbeitung des Christopher-Cross-Stücks "Rainy Day in Vancouver" beglaubigt seine Popaffinität, die dreiteilige "Film Noir"-Suite unterstreicht die Befähigung des Komponisten, stilechtes Genre-Kunsthandwerk mit eigener Note abliefern zu können.
Überhaupt wirkt "Home Of My Heart" auf die Dauer ein wenig wie eine klingende Bewerbungsmappe. Es folgen nämlich so unterschiedliche Dinge wie die hübsch schräg swingende Neuakzentuierung des "Star Wars"-Themas, ein Ausflug in Richtung Astor Piazzolla (Akkordeon und klassische Big Band: sehr gewöhnungsbedürftig), ein Standard mit Gesang (Tierney Sutton und "How Long Has This Been Going On") sowie, als Rausschmeißer, die 44-sekündige, neutönerische Verhohnepipelung des Fernsehserienthemas von "Dr. Stefan Frank - Der Arzt, dem die Frauen vertrauen" (sic!). Was hat das zu bedeuten? Nun, als Arrangeur ist man immer auch Dienstleister. Schön, wenn man ausnahmsweise mal die Sau rauslassen darf.
Dass Chris Walden einer der besten seines Faches ist, illustriert "Home Of My Heart" auch noch auf ganz andere Art. Beispielsweise mit den respektvollen Grußworten von Score- und Orchestrations-Schwergewichten vom Schlage Dave Grusins oder John Claytons. Sowie mit der Besetzungsliste der seit 1999 bestehenden Big Band, der unter anderem Brandon Fields, Bobby Shew oder Peter Erskine angehören. Die sorgen für Mainstream-Unterhaltung auf höchstem Niveau.

Josef Engels, 30.04.2005



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