Responsive image
Wolfgang Amadeus Mozart

The Mozart Recordings

Emil Gilels, Elean Gilels, Wiener Philharmoniker, Karl Böhm

Deutsche Grammophon/Universal 477 637-3
(98 Min., 1970, 1973) 25 CDs

Nach dem Sensationserfolg von Friedrich Guldas "Mozart tapes" hören wir nun einen anderen großen Pianisten des 20. Jahrhunderts mit einem konzentrierten Mozart-Programm. Auch Emil Gilels war der Meinung, man werde Mozart nicht gerecht, wenn man ihn allzu lieblich und harmlos darbiete. Vergleicht man allerdings Gilels’ Aufnahme der Sonate in B-Dur KV 281 (live mitgeschnitten 1970) mit derjenigen Guldas, so fällt Gilels’ Version doch deutlich weniger ruppig, frech und widerborstig aus. Man meint bei Gilels neben Mozart als lebendiger Person voller Frische, Sprunghaftigkeit und Vitalität auch immer Mozarts Geist stehen zu sehen, so wie die Nachwelt ihn gern imaginierte: Gewissermaßen die Uridee maßvoller Ausgewogenheit aller musikalischen Parameter, gehüllt nunmehr in eine elysische Friedlichkeit, scheint in dieser Musik als Grundströmung immer mitzuschwingen. Beides in einer Interpretation zu verknüpfen ist durchaus möglich, wie man hört: Es ist eine Frage individuellen Agierens auf unterschiedlichen Ebenen des musikalischen Satzes.
Das Elysische gewinnt, ganz traditionsgemäß, ein wenig die Oberhand in der ebenfalls enthaltenen Darbietung des letzten Klavierkonzerts in B-Dur (KV 595): Gemeinsam mit dem "inimitably stylish Vienna Philharmonic under Karl Böhm" (so auf der Rückseite der CD zu lesen) legt Gilels eine Interpretation im Geiste Geza Andas vor - ein betörender Hauch von Wehmut und Weltschmerz liegt über jeder einzelnen Phrase. Böhm und sein Orchesterklang sind hier das deutlich schwächere Glied im Gesamtgeschehen: Der sperrige Mozart-Tonfall des krätzigen Österreichers ist heute ohne eine gewisse innere Distanz kaum mehr zu genießen. Im Konzert für zwei Klaviere in Es-Dur (KV 365) kommt schließlich auch Gilels’ Tocher Elena zu Wort; sie ist keine ganz kongeniale Partnerin, aber verfügt doch über ein hohes Maß an Sensibilität und dialogisiert entsprechend aufmerksam mit ihrem großen Vater. Eine durchaus hörenswerte, anregende Box insgesamt zum ausklingenden Mozart-Jahr 2006.

Michael Wersin, 08.12.2006



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top