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Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzert Nr.17 KV 453, Sinfonie Nr. 39 KV 543

Leonard Bernstein, Wiener Philharmoniker

EuroArts/Naxos 2072098
(72 Min., 10/1981) 1 DVD

Nicht dass Leonard Bernstein in reifen Jahren auch öffentlich sporadisch zum Klavier zurückgekehrt wäre. Schließlich hatte er einen Ruf zu verteidigen. Den, wie es Arthur Rubinstein einmal neidlos formulierte, des "größten Pianisten unter den Dirigenten, größten Dirigenten unter den Komponisten und größten Komponisten unter den Pianisten". Aber wenn Bernstein nun schon mal in die Doppelrolle als Dirigent und Solist schlüpfte, dann nur unter einer Bedingung: wenn er mit den Wiener Philharmonikern Mozart spielen durfte. Auf CD hatte der Alleskönner neben zahlreichen Einspielungen von Mozartsinfonien schon anhand des Klavierkonzertes Nr. 15 gezeigt, wie ihm der Salzburger und die Wiener ans Herz gewachsen waren. Mit dem Konzertmitschnitt aus dem Großen Musikvereinssaal von 1981 folgt jetzt postum die Bestätigung. Wenngleich es auf den ersten Blick ungewohnt ist, Mr. Silberlocke jetzt beim Klavierkonzert Nr. 17 einmal aus einer Perspektive zu erleben, bei der das Dirigieren eher wie pro forma wirkt, stellt sich ab den ersten Takten ein Beseelungsakt ein, der bis zum letzten Takt der nachfolgenden Sinfonie Nr. 39 anhält. Dass Bernstein ein gnadenloser Subjektivist gewesen sein soll, der mit allem Apollinischen nichts anfangen konnte – dieses Klischee sollte man schnell vergessen, wenn man allein das "Andante" hört, in dem die Innenschau mit äußerster Sensibilität in der Phrasierung gestaltet wird. Und von verlockenden, improvisatorisch ausgeschmückten Floskeln lässt Bernstein in den Ecksätzen die Finger, um den musikalischen Geist farblich reich und mit höchstmöglichem Differenzierungsvermögen zu beleuchten. Warum nur hat man Bernstein nie einen Vertrag für die Gesamteinspielung der Konzerte oder gar der Sonaten Mozarts angeboten? In typischer Lennyhaltung gibt es dagegen eben Mozarts drittletzte Sinfonie in Es-Dur. Mit Bernsteins körperreichen Einsatz, beherzten Ausfallschritten und der Aura eines unwiderstehlichen Charismatikers. Doch in jedem Showelement steckte genau dieser alles entscheidende Funken, der Bernstein zum "Orchestermitglied" werden ließ. Gleich die mächtig-dämonischen Anfangstakte besitzen eine musiktheatralische Überwältigungswucht und Nähe zum "Don Giovanni", als hätte Otto Klemperer seinem Kollegen kurz vorher noch den Segen gegeben. Doch anstatt sich nun ins Abgrundtiefe zu verwickeln, sind es das energische Brio im "Menuetto" und das vollblütig furiose, aber immer nonchalant und konturenreich gehaltene Finale, bei denen Gebrauchs- und Kunstmusik eine geistvolle und wie selbstverständlich wirkende Liaison eingehen.

Guido Fischer, 17.03.2007



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