Der Ruhm der Stuttgarter Oper als Mekka des Regietheaters hat es fast vergessen lassen: Natürlich gab es dort auch unter Klaus Zehelein immer Produktionen für diejenigen, die in der Oper nicht intellektuelle Auseinandersetzung, sondern gepflegte Abendunterhaltung suchten. Als solche darf auch Jean Jourdheuils Inszenierung von Mozarts "Falscher Gärtnerin" durchgehen: Ohne beunruhigende Psychoanalysen oder freche Aktualisierungen bietet Jourdheuil gediegenes Mozarttheater in historischem Kostüm vor einer schmucklos funktionalen Nischenkulisse, die ein wenig an die Museumsarchitektur der 90er erinnert. Ein Passepartout für ordentlichen Mozartgesang: Ohne Anspruch auf überregional beachtenswerte Belcantokultur anmelden zu können, ist das Ensemble ausgewogen und mit Sinn für vokale Kontrastdramaturgie besetzt. Alexandra Reinprechts lyrische Sandrina sticht gut gegen Irena Bespalovaites kesse Serpetta und den Seriafuror von Cellia Costeas Arminda ab – drei markante Stimmen, die zugleich für drei weibliche Problembewältigungsstrategien stehen. Im Graben sorgt Lothar Zagrosek für frischen Mozartwind und schlägt einen akzeptablen Mittelweg zwischen Klangrhetorik und warmtönigem Orchestersound ein. Das alles ist sehr sympathisch, aber leider auch nicht weiter aufregend.

Jörg Königsdorf, 24.03.2007



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