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Georg Friedrich Händel, Christoph Willibald Gluck, Henry Purcell, Wolfgang Amadeus Mozart u.a.

The Legendary Dame Janet Baker

Janet Baker, div. Orchester und Dirigenten

Philips/Universal 475 156-2
(69 Min., 1962-1978) 1 CD

Am 21. August 2003 wurde Dame Janet Baker, eine der großen englischen Gesangs-Ikonen des 20. Jahrhunderts, 70 Jahre alt. Von den frühen 60ern bis weit hinein in die 80er Jahre begeisterte sie ein weltweites Publikum als Lied- und Oratoriensängerin, die Teilnahme an Bühnenproduktionen beschränkte sie mit Rücksicht auf ihr Privatleben allerdings stets auf ihre Heimat. Unverwechselbar ist ihr süffig-warmes Mezzo-Material, mit dem sie in jener Zeit kurz vor der flächendeckenden Ausbreitung der (eine schlankere Stimmführung bevorzugenden) Historisierenden Aufführungspraxis gerade auch für das barocke Repertoire prädestiniert war: Die 1962 unter Anthony Lewis produzierte Einspielung von Purcells "Dido und Aeneas", hier repräsentiert durch die berühmte Arie "When I am laid in earth", bleibt ein zeitlos schönes, bezauberndes Zeugnis für Bakers glückliches Agieren innerhalb dieser noch stark dem Legato und der ausdrucksvollen Gestaltung des Einzeltons verpflichteten Interpretationsweise Alter Musik.
Danach tut sich im vorliegenden Recital allerdings eine große zeitliche Lücke auf: Wichtige Jahre ihrer Karriere hat Janet Baker nämlich bei der Konkurrenz (EMI) verbracht. Auf dieser CD geht es weiter mit Auszügen aus einer Händel-Arien-Sammlung, entstanden 1973 unter Raymond Leppard. Dessen sehr agile, wenn auch noch immer recht üppige Herangehensweise an das barocke Idiom stachelt Baker noch einmal zu Höchstleistungen an: "O had I Jubals Lyre" (Joshua) oder "Ombra mai fù" (Serse) tragen kaum Spuren von Bakers stimmlichen Ermüdungserscheinungen, die andernorts zu dieser Zeit bisweilen hörbar wurden. Gewöhnungsbedürftig hingegen sind die Auskoppelungen aus einem Arie-Antiche-Programm unter Neville Marriner, produziert 1978: Allzu sahnige Arrangements und eine jenem Stil eigentlich fremde Überreizung agogischer Freiheiten rufen beim Hören ein wenig Unmut hervor. Kurzum: Ein geschlossenes Porträt von Janet Bakers Gesangskunst war aus vertraglichen Gründen nicht möglich. Bei der Auswahl der Stücke wurden populäre Nummern wie "Amarilli" oder "Plaisir d’amour" nicht immer ganz zum Vorteil des musikalischen Gesamteindruck bevorzugt. Dennoch erfüllen den Hörer die vielen außerordentlich schönen Minuten aus den Tondokumenten dieser grandiosen Sängerin: Herzlichen Glückwunsch, Dame Janet!

Michael Wersin, 25.10.2003



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