Responsive image
Georg Friedrich Händel

Italienische Kantaten

Natalie Dessay, Le Concert d´Astrée, Emmanuelle Haïm

Virgin/EMI 332 624-2
(62 Min., 6/2005, 7/2005) 1 CD

Als Georg Friedrich Händel schon längst festen englischen Boden unter den Füßen hatte, waren die Erinnerungen an seine Italienreise noch höchst lebendig. Und so wandte er sich erneut mit "Mi palputa il cor" der "Italienischen Kantate" zu - der er sich in den Jahren 1707/08 mit rund 80 Werken ausgiebig gewidmet hatte. Mit dem von Dirigentin Emmanuelle Haïm und Sopranistin Natalie Dessay zusammengestellten Programm "Delirio" kann man somit einmal von Rom nach London quer durch das musikalische Europa des 18. Jahrhunderts reisen. Und gleichzeitig bekommt man einen dramatischen wie pastoral gelösten Eindruck davon, wie Händel sich in die von Liebe aufgewühlten Paare hineinfühlen konnte. In "Delirio amoroso", einer von Händels bekanntesten Kantaten, beweint Chloris in einem Traum den Tod ihres Thyrsis. In der in London entstandenen Kantate "Mi palpita il cor" wird hingegen Chloris das Objekt der Begierde eines jungen Mannes.
Statt mit dem fulminanten Orchesterpinsel hat Händel kurzweilige, mit solistischen Oboen- und Violinenstimmen versetzte Instrumentalsätze mit arioser Feinfühligkeit und vokalem Anspruch verknüpft. Und da Haïm im Gegensatz zu Marc Minkowskis bebenderen Sichtweise mehr auf Schlankheit und Delikatesse setzt, ist der musikalische Atem äußerst angenehm - nur auf Dauer fehlt es ihm dann doch ein wenig an Gespanntheit. Natalie Dessay ist in diesem durchsichtig gemachten Händel eine adäquate Partnerin, die mit den barocken Affekten keine Mühe hat. Der eng gesteckte Ausdrucksrahmen vermittelt aber auch einen Gefühlskosmos, der gar nicht so durcheinander geraten ist, wie es die Texte behaupten.

Guido Fischer, 28.01.2006



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top