Händels Version des Ariadne-Mythos hatte am 26. Januar 1734 am Londoner King’s Theatre Premiere - zu einer Zeit, als es Händels Opernunternehmen schon nicht mehr gut ging. Als Konkurrent machte ihm u. a. eine weitere Opernkompanie, die "Opera of the Nobility" mit Nicola Porpora als Direktor, zu schaffen; Porpora, der von Händels "Arianna" im Vorfeld gehört hatte, brachte auch tatsächlich eine eigene Vertonung des Stoffs vier Wochen früher auf die Bühne. Doch so sehr man Händel bereits tot redete - u. a. wurde berichtet, seine Sänger seien fast alle Nieten: Die "Arianna" scheint doch ein großer Erfolg gewesen zu sein, und das Stück blieb recht lange populär.
George Petrou legt nun mit einem komplett griechischen Ensemble (seinen "Oreste", verlegt beim selben Label, hatte er mit der Camerata Stuttgart produziert) eine hörenswerte Einspielung dieser Oper vor und bereichert damit den CD-Katalog maßgeblich, denn es gibt derzeit keine andere Aufnahme. Die ehemaligen Kastratenpartien (Teseo und Alceste) besetzt Petrou nicht mit Falsettisten sondern mit Frauenstimmen. Besonders im ersteren Fall hat er dabei mit der Greco-Kanadierin Mary-Ellen Nesi einen besonders guten Griff getan, denn Nesi brilliert sowohl mit schmelzend schönem, wundervoll abgerundeten Timbre als auch mit perfekter Koloraturfähigkeit. Die Titelpartie der Arianna ist bei der Sopranistin Mata Katsuli ebenfalls in recht guten Händen: Wenn Katsuli auch gelegentlich eine defensiv-weiche Klangfarbe ein wenig zur Masche macht, so überzeugt sie doch spätestens am Ende des ersten Aktes ähnlich wie ihre Kollegin Nesi durch stupende Agilität im Passagenwerk. Das historisierend musizierende Orchestra of Patras irritiert in der Ouvertüre zunächst ein wenig durch Intonationsdiskrepanzen zwischen Bläsern und Streichern, präsentiert sich im Verlauf der Oper jedoch als zuverlässiges, flexibles Ensemble mit einem ganz eigenen, reizvoll rauchig-warmen Timbre. Eine insgesamt durchaus gelungene Produktion also, wenn auch freilich nicht alle Gesangspartien so gut besetzt sind wie die beiden genannten. Bedauerlich nur, dass das Beiheft neben einem guten Einführungstext des Dirigenten nur ein italienisch-englisches Libretto ohne Tracknummern und keine Synopsis bietet. Bei so spärlicher Ausstattung vermag sich auch der mit der griechischen Mythologie einigermaßen Vertraute nur sehr mühsam zu orientieren.

Michael Wersin, 21.04.2006



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