Das da bislang noch niemand draufgekommen ist: Da gibt es inzwischen von nahezu jeder Operninszenierung zwischen New York und Helsinki eine DVD-Aufzeichnung. Doch bevor sich der Vorhang hebt beim Livemitschnitt der Händeloper "Admeto" bei den Händelfestspielen Halle, bekommt man anhand von Szenenbildern schon mal eine kurze Inhaltsangabe geboten. Womit das langweilige Synopsisstudium endlich entfällt. Und als ob man für diese Produktion ausnahmsweise mal ein vernünftiges Budget zur Verfügung hatte, gibt es neben den bewegten DVD-Bildern gleich noch eine CD-Fassung oben drauf. So viel Aufwand ist der Konsument schon fast gar nicht gewohnt. Und wenn nun auch das künstlerische Paket dieses Niveau erreichen würde, wäre das ab sofort zukunftsweisend. Doch was für ein Graben tut sich da auf der Bühne auf! Regisseur Axel Köhler hat mit Bühnenbildner Roland Aeschlimann auf eine pseudo-modernistische, bisweilen alberne Szenerie gesetzt. In aseptischer Krankenhausatmosphäre legt der genesene König Admeto Liegestütze hin, während seine Ex Antigona mit ihrem Kastenwagen in einem Wald liegen bleibt – und prompt eine Jagdgesellschaft peinlich plump über die Bühne stapft. Was im Groben schon schmerzt, setzt sich in Gesten fort, die nicht nur aus der Mottenkiste stammen. Wenn allein das wilde Arm-Rudern von Melanie Hirsch als Admetos Page ein ironisches Augenzwinkern auf die streng barocke Bewegungschoreografie sein sollte, dann ist das gehörig nach hinten losgegangen. Könnte man somit vielleicht leichten Herzens auf die rein akustische Fassung des 1727 uraufgeführten Dreiakters umschalten, so ist aber auch da Vorsicht geboten. All das Federnde und Rhythmisch-Schwungvolle ist beim Händelfestspieleorchester Halle unter Howard Arman nur zu erahnen. Und dem Sängerensemble kann man bis auf die in Artikulation und Phrasierung bestens eingestellte Romelia Lichtenstein als Alceste gerade mal halbwegs zufrieden stellende Möglichkeiten attestieren. Mechthild Bach (Antigona) kommt kaum glockenrein die Höhen hinauf, und es wirken sämtliche Verzierungen wie angeklebt und nicht organisch aus den Melodienlinien entwickelt. Für diese sängerische Minderleistung hat aber in der Titelpartie Altus Matthias Rexroth gleich zu Beginn die Richtung vorgegeben. In "Chiudetevi, miei lumi", die zu Händels seelenvollsten Arien zählt und in der Admeto todesahnend deliriert, fehlt es Rexroth an jener Intonationskultur und magisch in sich ruhenden Zartheit im Ausdruck, wie es ein Andreas Scholl seit Jahren vormacht.

Guido Fischer, 13.10.2007



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