Seine letzte Oper soll sie sein. Das hat Hans Werner Henze nach knapp einem halben Jahrhundert des produktiven Schaffens für das Musiktheater verkündet, als er "L'Upupa und der Triumph der Sohnesliebe" 2003 zur Uraufführung freigab. Und Henzes Prognose ist ein weiser Entschluss. Denn mehr denn je musste der inzwischen 78-jährige Komponist wohl den Grabenkämpfen mit der Avantgarde Tribut zollen, in die er sich erhobenen Hauptes gerne und erfolgreich verwickelt hatte. So steckt denn auch in seinem Opern-Epilog so viel Routine, die man nachfolgenden Komponisten-Generationen nie verzeihen würde. Für dieses "deutsche Lustspiel" hat Henze ein syrisches Märchen ausgewählt und gleich auch noch das Libretto geschrieben. Auf der Suche nach dem entflogenen Wiedehopf Upupa gerät Kasmin auf eine Abenteuerreise, bei der ihm Dämonen in den Weg springen und das jüdische Mädchen Badi'at den Kopf verdreht. Das riecht nicht nur nach Mozart, nach "Zauberflöte" oder gar nach "Entführung aus dem Serail" - Henze traut sich, die Zitatenschatzkiste weit zu öffnen.
Doch die altersreife Rückbesinnung, die sich besonders auf Strawinksy beruft, bringt "L'Upupa" genauso wenig in Bewegung, wie Henzes Tonsprache sich nur noch zwischen reiner Dur-Wonne und modern verwaltetem Melos entscheidet. Da nützt es auch nichts, wenn beim Mitschnitt der Salzburger Premieren-Produktion die Wiener Philharmoniker unter Markus Stenz unter ihrem Niveau glänzen. Und selbst das Sänger-Ensemble mit Matthias Goerne als Kasmin an der Spitze bleibt angesichts der prismatischen Zahmheit in den Kantilenen unterfordert. Dass Regisseur Dieter Dorn sich mit seinem Bühnenbildner Jürgen Rose das orientalische Märchen-Dekor von der Stange besorgte, ist immerhin konsequent.

Guido Fischer, 12.02.2005



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