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Jules Massenet, Charles Gounod

Gounod, Massenet: Arias

Rolando Villazón, Orchester Radio France, Evelino Pidò

Virgin/EMI 545 719-2
(67 Min.) 1 CD

Es zeugt von Geschmack, wenn ein Tenor sich für ein Rezital mit nur zwei Komponisten begnügt, statt das übliche Querfeldein zu bieten: Glückwunsch zur gelungenen Zusammenstellung dieses ausführlichen Porträts zweier französischer Meister, das sowohl deren Hits berücksichtigt als auch unbekanntere Perlen ans Licht bringt. Mit Gounod und Massenet wandelt Villazón auf den Spuren Nicolai Geddas, dabei im Vergleich mehr stimmliches Gewicht auf die Wage bringend als sein großer Vorgänger. Das kann natürlich sehr reizvoll sein, birgt aber auch Risiken in sich: In "Anges du paradis" aus Gounods "Mireille", das Villazón insgesamt recht beachtlich meistert, wäre deutlich mehr mezza voce angebracht gewesen. "Pourquoi me reveiller" aus Massenets "Werther" leidet unter allzu viel Spannung beim Anstieg zu den Höhepunkten und einem ebenfalls durch mangelnde Lockerheit verwackelten Schlusston. Auch das im Sextsprung zu attackierende hohe C am Schluss von "Salut, demeure chaste et pure" (Gounod, "Faust") zeitigt nicht ganz die erdbebenartige Wirkung, die es bei besserer Balance zwischen Offenheit und Kraftentfaltung haben könnte. Zwischen solchen nicht immer mit letzter Brillanz bewältigten Extremen erwarten den Hörer freilich eine Menge zauberhaft gestalteter Kantilenen mit einem breiten Spektrum von mitreißender metallischer Strahlkraft bis hin zu zart leuchtendem Mezzopiano - auf der leisen Seite allerdings hätte die dynamische Skala noch effektiver ausgeschöpft werden können.

Michael Wersin, 05.02.2005



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