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Claudio Monteverdi

Il ritorno d’Ulisse in patria

Malin Hartelius, Rudolf Schasching, Thomas Mohr, Nikolaus Harnoncourt u.a.

Arthaus/Naxos 100 352
(155 Min., 2002) PAL 16:9, Disc-Format DVD 9, Region Code 0

Zwischen dem Orfeo von 1607 und Il Ritorno d’Ulisse in Patria von 1640 klafft eine große Überlieferungs-Lücke: Die dazwischen komponierten Opern sind fast vollständig verschollen, und auch Il Ritorno ist zumindest in instrumentations-praktischer Hinsicht nur rudimentär überliefert. Monteverdis stilistische Entwicklung als Opernkomponist kann daher nicht detailliert nachvollzogen werden, was die möglichst authentische Aufführung zusätzlich erschwert. Diese Oper überhaupt in historisch orientierter Hinsicht wieder aufführbar gemacht zu haben, gelang vor einem Vierteljahrhundert Nikolaus Harnoncourt: In mühevoller Kleinarbeit führte er ein durch Quellenstudium zusammengetragenes Instrumentarium jener Zeit in die Partitur ein. Im Jahre 2002 wurde in Zürich, wo Harnoncourt Il Ritorno einst erstmals wiederaufgeführt hatte, eine neue Inszenierung des Werks durch Klaus-Michael Grüber verwirklicht; am Dirigentenpult stand wieder Nikolaus Harnoncourt. Die vorliegende DVD-Version wurde live aufgezeichnet.
Grüber brachte Monteverdis späte Oper nicht in barock-antikisierender Weise auf die Bühne, sondern setzte auf ein hinsichtlich der Ausstattung sehr sparsames Konzept ohne naturalistische Kulissen und altgriechische Kostüme. Der Zuschauer wird so nicht vom Wesentlichen, vom Interagieren der Figuren, abgelenkt; auf eine überzeugende, ausdrucksstarke Personenführung wurde entsprechend viel Wert gelegt. In der Hauptrolle des Odysseus ist Dietrich Henschel zu erleben: Er überzeugt sowohl stimmlich als auch darstellerisch in hohem Maße. Die seiner harrende Penelope wird ebenfalls sehr eindrücklich von Vesselina Kasarova verkörpert; einzig vereinzelte Intonationsprobleme trüben ihren mitreißenden Gesang gelegentlich. Die zahlreichen anderen Partien sind teils hervorragend, teils passabel besetzt. Wirkliche Schwachpunkte gibt es kaum, wenn es auch manchmal an der sauberen Intonation hapert; Grund dafür könnten akustische Probleme sein. Hervorgehoben seien die reizende Malin Hartelius in der Rolle der Melanto, der wirklich komische Rudolf Schasching als stotternder Vielfraß Iro und Thomas Mohr als stimmschöner Eumete.

Michael Wersin, 17.05.2003



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