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Claudio Monteverdi, Francesco Cavalli

Missa in illo tempore, Missa pro defunctis

Cantica Symphonia, Giuseppe Maletto

Stradivarius/helikon harmonia mundi STR 33665
(79 Min., 3/2002, 9/2002) 1 CD

Im Jahre 1610, in dem auch die Marienvesper das Licht der Welt erblickte, veröffentlichte Monteverdi seine "Missa In illo tempore", deren Titel sich auf ihre Parodievorlage bezieht: Es handelt sich dabei um Nicolas Gomberts (ca. 1495 - ca. 1560) Motette "In illo tempore loquente Jesu"; gleichzeitig jedoch ist der Name auch Programm, denn Monteverdi, der mit seiner "seconda pratica" als einer der großen Revolutionäre der Musikgeschichte betrachtet werden kann, huldigt in diesem Messordinarium der "prima pratica", dem vokalpolyphonen Kompositionsstil der Alten Meister jener Renaissance-Zeit, in der auch sein Material-Lieferant Gombert gelebt hatte. Aber verfasste Monteverdi tatsächlich eine Art Stilkopie? Keineswegs: Die kontrapunktische Struktur der Messe ist durchsetzt von zahlreichen Wiederholungen kleiner Motivbausteine entweder in langen Sequenzpassagen oder gar auf gleicher Tonhöhe, wodurch sich ein Gesamtklang ergibt, in dem trotz polyphoner Anlage die vertikale, harmonische Ebene starke Gewichtung erfährt - die in der vorliegenden Aufnahme colla parte eingesetzte Continuo-Orgel unterstreicht diese Tatsache.
Francesco Cavalli (1602-1676), einer der Nachfolger Monteverdis im Amt des Kapellmeisters an San Marco, war zur Zeit der Erscheinens der "Missa In illo tempore" erst acht Jahre alt und damit schon Kind jener neuen barocken Stilepoche, an deren Anfang Monteverdi einst gestanden hatte. Doch obwohl im Jahre 1675, als seine "Missa pro defunctis" entstand, konzertante Instrumentalpassagen in der Kirchenmusik schon lange üblich war, verfasste er sein Requiem im (Continuo begleiteten) A-Cappella-Stil: Die Totenmesse blieb aus verständlichen Gründen - zumindest formal - am längsten pietätvoll dem älteren verpflichtet, wobei das Idiom selbstverständlich schon ein ganz und gar barockes ist.
Giuseppe Maletto und das von ihm gegründete Ensemble "Cantica Symphonia" erwecken beide Werke auf ansprechende und engagierte Weise zum Leben. Der Gesamtklang leidet im Tutti hier und da unter einer gewissen Uneinheitlichkeit im Timbre, die den Höreindruck immer wieder einmal ein wenig trübt. Wettgemacht wird dieses Manko teilweise durch die differenziert-geschmackvolle Gestaltung, die stets Textnähe bietet, ohne dabei jemals aufdringlich zu sein.

Michael Wersin, 26.06.2004



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