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Claudio Monteverdi

Madrigali guerreri ed amorosi

Concerto Italiano, Rinaldo Alessandrini

naïve/harmonia mundi OP 30435
(180 Min., 2/1997, 1/1998, 12/2005) 2 CDs

Rinaldo Alessandrinis künstlerische Auseinandersetzung mit Monteverdis Madrigalbüchern ist bezüglich ihrer Dokumentation auf Tonträgern nicht ganz leicht zu verfolgen: Die Aufnahmen erstrecken sich über einen großen Zeitraum; nicht alles, was er aus diesem Repertoire bisher produzierte (es scheint sich um das zweite, vierte, fünfte, sechste und achte Madrigalbuch zu handeln), ist derzeit lieferbar, zudem gab es im Laufe der Jahre unterschiedliche Ausgaben und Zusammenstellungen des Materials. Auch das nun komplett vorliegende achte Madrigalbuch ist nicht durchweg eine Neuaufnahme; neu ist nur die dritte CD, die ersten beiden wurden bereits 1997 bzw. 1998 produziert und einzeln vertrieben. Etwas mühsam ist es zu eruieren, mit welcher Besetzung Alessandrini damals und heute arbeitete, denn die zahlreichen Namen der in wechselnder Kombination zum Einsatz gebrachten Musiker sind im Beiheft nur über Kürzel vermerkt. Offenbar hat Alessandrini mittlerweile praktisch die gesamte Sängerbesetzung und wenigstens einen Teil der Instrumentalisten ausgetauscht. Zumindest auf sängerischer Ebene ist es dadurch zu einer Qualitätssteigerung gekommen: Die neue Gruppierung bringt es, vor allem im Bereich der Männerstimmen, zu höherer solistischer Potenz (im achten Madrigalbuch besonders wichtig); es wird noch intonationsreiner und prägnanter gesungen als Ende der 90er Jahre. Das künstlerische Niveau der Einspielung ist insgesamt mit den bekannten Konkurrenzaufnahmen vergleichbar. Interpretatorisch reizt Alessandrini den "stile concitato", der im achten Madrigalbuch eine zentrale Rolle spielt, nicht so weit aus wie René Jacobs, der selbst vor kontrolliertem Skandieren und Schreien nicht zurückschreckt, wagt aber mehr in puncto Extrovertiertheit als das „Consort of Musicke“ und auch „La Venexiana“. Diese Mittelposition zeichnet Alessandrinis Version aus und macht sie zu einem ebenso angenehmen wie mitreißenden Hörerlebnis: Fest verankert im ästhetisch Schönen und dennoch ausdrucksstark und zupackend – so lässt man sich frühbarocke italienische Musik in historischer Aufführungspraxis gern präsentieren.

Michael Wersin, 17.03.2007



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