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Gustav Mahler

Das klagende Lied

Eva Urbanová, Jadwiga Rappé, Hans Peter Blochwitz, Håkan Hagegård, Hallé Orchestra, Kent Nagano

Erato/Eastwest 3984-21664-2
(62 Min., 10/1997) 1 CD

Wenn ein japanisch-amerikanischer Dirigent mit britischem Orchester und Chor, osteuropäischen und schwedischen Solisten (gut: Blochwitz ist Deutscher) eine wirklich aufregende - und das heißt vor allem auch: idiomatische - Aufführung von Gustav Mahlers Opus 1 zustande bringt, dann kann man wirklich anfangen zu glauben, dass dieser Globus nur ein Dorf sei.
Nagano dirigiert die dreiteilige Originalfassung, also auch das einleitende “Waldmärchen”, das zwar die mörderische Märchenstory exponiert, vom Komponisten aber vor der späten Uraufführung (1901) gestrichen wurde. Man fragt sich warum? Denn dieser erste Abschnitt ist reinster Mahler, gerade weil er so stürmt und drängt, weil er dramatischer auftrumpft als die beiden anderen, episch-erzählerischen Sätze; in dieser Aufnahme erinnert er bisweilen an die schrofferen Aufwallungen des “Liedes von der Erde”.
Genau so nämlich lässt Kent Nagano das spielen: als “reife”, vollgültige Mahler-Musik. Die Aufnahmetechnik unterstützt dieses Konzept - man hört den typisch Mahlerschen Spaltklang, die bereits hochdifferenzierte Instrumentationskunst, und die jähen Ausdruckskontraste treten plastisch hervor. Äußerst empfehlenswert!

Thomas Rübenacker, 31.05.1998



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