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Gustav Mahler

Sinfonie Nr. 3

Anna Larsson, Los Angeles Philharmonic, Esa-Pekka Salonen

Sony S2K 60250
(95 Min., 10/1997) 2 CDs

Den Schwerpunkt der bisherigen Diskografie des 1958 geborenen Finnen Esa-Pekka Salonen bildete die Musik des 20. Jahrhunderts. Diese umfassende Erfahrung im Umgang mit komplizierten Partituren prägt auch seine zweite mit den Philharmonikern von Los Angeles produzierte Mahler-Aufnahme: Nach der “himmlischen” Vierten nun die der kosmologisch-welthaften Dritten, die Salonen eher verhalten, mit skandinavischer Gelassenheit und mit der in den Staaten üblichen High-Tech-Präzision interpretiert, als sei auch für ihn Mahler in erster Linie ein Prophet des neuen Jahrhunderts und bereits weit entfernt von allem Fin-de-siècle-Schwulst.
Das wirkt geradezu wie eine Schlankheitskur gegenüber den aufgeblähten Monumentalbildern der hermeneutisch herumwühlenden Mahler-Nostalgiker wie Bernstein, Barbirolli oder Levine, ignoriert andererseits ein wenig auch die Doppelbödigkeiten, Brüche und die latenten Gefahren, die selbst in dieser “entrückten” Sinfonie ständig lauern.
Am besten gefallen mir noch die beiden gewichtigen Ecksätze, die Salonen ruhig und sicher und atmosphärisch-dicht ausspielen lässt, während er in den vier charakteristischen Mittelsätzen die unterschiedlichen Physiognomien nicht deutlich genug herausarbeitet und in Distanz bleibt, so dass der Eindruck einer ungestörten Idylle, einer unendlichen Meditation insgesamt überwiegt und alles Real-Widersprüchliche, Schreckliche und Abgründige in weite Ferne rückt. Mahler als impressionistischer Ästhet, ganz ohne Leidensdruck und Seelenchaos, das mag eine Alternative sein für ätherische Feingeister.

Attila Csampai, 31.03.1998



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