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Gustav Mahler

Das Lied von der Erde

Plácido Domingo, Bo Skovhus, Los Angeles Philharmonic, Esa-Pekka Salonen

Sony Classical SK 60646
(61 Min., 3/1998, 2/1999) 1 CD

Mahlers „Lied von der Erde“ neigt sich dem halbstündigen Schlusssatz entgegen, einem im dissonanten „Ewig“ des Baritons aushauchenden, unübersteigerbar traurigen Weltabschied. Mahler zog die Besetzung mit der Männerstimme vor. Seine Schüler Walter und Klemperer aber waren nicht folgsam und besetzten mit Altstimmen. Aber sie hatten auch Kathleen Ferrier und Christa Ludwig, deren Interpretationen des „Abschieds“ wir niemals vergessen werden.
Esa-Pekka Salonen folgt Mahlers Vorliebe, aber er hat Bo Skovhus, und das ist hier sein Problem. Der Däne artikuliert makellos und dringt noch im Pianissimo durch. Und doch ist dies ein Werk, wo es nicht genügt, schön zu singen. Wohl nur ein relativ schmaler Grat bleibt dem Solisten, hier dem Liedsänger gleich psychologisch zu nuancieren und dennoch gegen über hundert Musiker anzukommen. Fischer-Dieskau hat einen möglichen Weg gezeigt, Bo Skovhus' allzu sehr auf stimmlichen Wohlklang setzende Lösung ist dagegen blass, unentschieden. Plácido Domingo geht die mutwillig-jugendliche Berauschtheit ab, die gerade „Der Trunkene im Frühling“ einfordert. Herbst ist geworden.
Unanfechtbar wirkt dagegen Salonens philologisch präzises, ungemein detailverliebtes Dirigat. Doch ist es bei aller Klugheit und Lebendigkeit allzu kühl, zu unergriffen von diesem Werk aus Rausch und Bitterkeit.

Matthias Kornemann, 09.03.2000



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