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Gustav Mahler

Kindertotenlieder, Rückert-Lieder, Des Knaben Wunderhorn

Dietrich Henschel, Hallé Orchestra, Kent Nagano

Teldec/Warner Classics 8573-86573-2
(69 Min., 5/1999) 1 CD

Zugegeben, es ist etwas unfair, wenn man bei der Berurteilung einer CD eine Referenzaufnahme heranzieht und gar nicht mehr aufhören kann, die Vergleichsaufnahme zu hören statt der Neuerscheinung. So erging es mir mit Dietrich Henschels Interpretation von Mahlers "Kindertotenliedern" und Dietrich Fischer-Dieskaus Version aus dem Jahre 1956 unter Rudolf Kempe.
Entscheidend ist die seelische Weite, die Intensität, die ein Interpret aufbringt, um das ganze Spektrum dieser todtraurigen und intimen Lieder auszudrücken. "Durchlebtes" Singen nannte es Fischer-Dieskau und er wurde ein Meister darin. Ein so kluger und sensibler Interpret wie Henschel weiß, wovon Fischer-Dieskau spricht und vielleicht ist auch deshalb sein Wille zum Ausdruck größer als dieser selbst. Sprache und Gefühl werden so zwangsläufig forciert. Zwar behandelt Nagano das Orchester mit kammermusikalischer Finesse, doch er treibt voran und will sich nicht auf die Apathie, die der Schmerz, die Fassungslosigkeit, das blanke Entsetzen gebiert, einlassen.
An Henschels Interpretation der Lieder aus "Des Knaben Wunderhorn" - einer Auswahl - hingegen ist nichts auszusetzen: Engagement und inneres Gewicht halten sich hier die Waage. Beeindruckend die emphatisch trotzige Darstellung des "Lied des Verfolgten im Turm" und die bitter spöttische Geste bei "Des Antonius zu Padua Fischpredigt".

Teresa Pieschacón Raphael, 23.08.2001



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