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Gustav Mahler

Sinfonie Nr. 7

Berliner Philharmoniker, Claudio Abbado

Deutsche Grammophon 471 623-2
(77 Min., 5/2001) 1 CD

Letztlich waren es immer die Mahler-Interpretationen, mit denen Claudio Abbado besonders überzeugen konnte, und daher sind die drei Live-Aufnahmen mit Sinfonien von Mahler adäquate Abschiedsgeschenke an den Dirigenten, der Ende April seinen Posten als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker verließ.
Abbados Souveränität im Umgang mit Mahler zeigt sich nicht zuletzt in der Einspielung der allgemein als schwierig und qualitativ ungleichmäßig geltenden Siebten. Vom Konzept her hat sich Abbados Herangehensweise an das Werk seit seiner Aufnahme mit den Chikagoer Sinfonikern (ebenfalls Deutsche Grammophon) nicht wesentlich geändert, doch ist die neue CD der alten sowohl klanglich als auch musikalisch vorzuziehen.
Zum einen liegt das an Abbados langer und fruchtbarer Beschäftigung mit dem Werk, die ihn die Details noch wirkungsvoller in den Gesamtzusammenhang eingliedern lässt, ohne sie in kinematografischer Manier in den Vordergrund zu stellen. Er findet in den beiden Nachtmusiken den passenden Ton zwischen spitzweghafter Idylle und dunklem Spuk, lässt vor allem im zweiten Satz die kreatürlichen Elemente (Herdenglocken) sehr schön den musikalischen Verlauf färben, aber nicht allein bestimmen. Das "Schattenhaft" überschriebene Scherzo hat nie unheimlicher, giftiger geklungen, und dennoch wird dem Fluss des musikalischen Verlaufs der Vorrang gegenüber einer Demonstration von Mahlers viel zitierter "Gebrochenheit" eingeräumt. Den Höhepunkt erreicht Abbados Interpretation jedoch mit dem viel geschmähten Finale, das derart gut gelaunt, virtuos und gleichzeitig augenzwinkernd mokant daherkommt, dass man sich fragt, ob der Satz denn tatsächlich so misslungen ist wie gemeinhin behauptet oder ob er nicht einfach zu oft schlecht interpretiert wurde.
Es ist jedoch vor allem das Spiel der Berliner Philharmoniker, das diesen Mitschnitt den Rang des Besonderen einnehmen lässt. In jeder Sekunde ist die Hochspannung spürbar, unter die Abbado die Musiker zu setzen vermochte. Das ist mehr als nur technische Perfektion, es ist Musizieren am Rande einer höheren Dimension, wie es nur die Konzert-Situation vollbringen kann - und ein außergewöhnlich inspirierender Dirigent.

Thomas Schulz, 20.06.2002



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