Responsive image
Gustav Mahler

Sinfonie Nr. 3

Anne Sofie von Otter, Wiener Philharmoniker, Pierre Boulez

DG/Universal 474 298-2
(95 Min., 2/2001) 2 CDs

Bei Boulez ist die Durchhörbarkeit einer noch so weiträumigen Klangarchitektur mit ihren noch so komplexen Verflechtungen oberstes Musikantenprinzip. Und dass er damit gerade in den Mahler-Sinfonien für eine erstaunliche Wiederbelebung der endlich wieder transparent gewordenen Farbpolyphonie gesorgt hat, ist nur eine von Boulez' Meriten: Er macht hörbar, was in der Partitur steht und muss deshalb nichts überakzentuieren. Die maßstabsgerechte Befolgung der unzähligen Artikulations- und Vortragsanweisungen, der dynamischen Nuancen, mit denen Mahler seine dritte Sinfonie gespickt hat, ist daher natürlich nun in den besten Boulez-Händen. Nur besteht gerade diese Schöpfungsinfonie eben auch nicht einfach aus der Summe ihrer, hier immerhin von den Wiener Philharmoniker einfach fantastisch konturierten Einzelteile.
Die apotheotischen Impulse, die gigantisch hochgezogenen Märsche im ersten Satz bleiben da erstaunlich statisch, stellt sich selbst im vierten Satz gerade mal die Bewunderung dafür ein, wie Anne Sofie von Otter mit den Violin- und Bläser-Solisten ihren kammermusikalischen Dialog in aller Ruhe ausbreitet. Ohne leider eine Spur der Zartheit und Wärme zu vermitteln. Und auch der Finalsatz ist eher eine exakt rekonstruierte Prozession der sanften Expressivität, der nur der entscheidende Schuss des Resignativen fehlt. Dass Boulez im hohen Alter sich noch einmal mit den überschwänglichen wie erregenden Fin-de-siècle- oder Décadence-Gedanken anfreunden wird, ist wohl kaum mehr zu erwarten. Dabei müsste er ja dafür nicht unbedingt gleich in Leonard Bernsteins Gefühlswelt abtauchen.

Guido Fischer, 30.08.2003



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top