Responsive image
Gustav Mahler

Sinfonie Nr. 3, Kindertotenlieder

Michelle DeYoung, San Francisco Symphony Orchestra, Michael Tilson Thomas

AVIE/Musikwelt AV0003-2
(133 Min., 9/20025, 9/2001) 2 CDs, SACD

Die San Francisco Symphony, dem Michael Tilson Thomas seit 1995 vorsteht, ist zweifellos ein traditionsreiches Orchester und ein homogener, exakt spielender Klangapparat. Auch Mahlers dritte Sinfonie ist außerordentlich sauber gespielt ... und doch muss man lange warten, bis man wirklich von der Musik gepackt wird. Es ist alles auf Hochglanz poliert und verliert dabei an Ausdruck: Zu Beginn überrascht der sehr synthetisch wirkende Klang der Bläser, die zwar perfekt spielen, das Ganze dadurch aber noch steriler wirken lassen. Dieser Eindruck begleitet die gesamte Aufnahme: Zu sehr bewegt sich die Interpretation an der Oberfläche und verwischt musikalische Brüche, sogar das schroffe Scherzando wirkt zunächst wie durch Weichspüler gezogen. Erst gegen Ende des dritten Satzes und der ersten CD traut sich das Orchester auszubrechen. Aber auf was man am Ende der ersten CD noch hoffen durfte, wird nicht eingelöst. Der vierte Satz mit Michelle DeYoung als Solistin – leider keine ideale Interpretin –, bleibt überraschend belanglos. Erfrischend dann und äußerst lebendig die Chöre im 5. Satz. Der letzte Satz, der wirklich gelungen ist, entschädigt schließlich für vieles und versöhnt.
Überzeugender gelingt dem Orchester die Einspielung der Kindertotenlieder. Nur kann einen DeYoung auch hier nicht für sich gewinnen. Die Interpretation wirkt eher phlegmatisch, unflexibel und zeigt ein zu aufdringliches Vibrato. In den raren Ausnahmefällen, in denen DeYoung dieses Vibrato zurücknimmt, wie in „Oft denk ich ...“ gewinnt ihre Stimme durchaus an Schönheit und vermag für kurze Momente zu berühren.

Karin Dietrich, 30.08.2003



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top