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Gustav Mahler

Sinfonie Nr. 5

City of Birmingham Symphony Orchestra, Sakari Oramo

Warner Classics 2564 62055-2
(68 Min., 10/2004) 1 CD

Gustav Mahlers Angaben zu den Tempi der 5. Sinfonie haben sich schon oftmals als Fallen und Schlaglöcher entpuppt. "Nicht eilen" oder "Nicht schleppen" - das ist oft mit Bleigewichten behängt worden, dass man aus dem pathetischen Tränenmeer einfach nicht mehr rauskam. Oder man nimmt Mahlers Anweisungen derart punkt- und röntgengenau, dass plötzlich in dieser sinfonischen Bandbreite Blutleere und Muskelstarre entsteht. Den genauen Mittelweg für die transparente Vielstimmigkeit in der Totalen und die erregend aufwühlenden Attacken im Detail zu finden, ist allerschwerste Interpretationskunst. In der Live-Aufnahme aus der Symphony Hall in Birmingham ist Sakari Oramo das mit seinen Musikern mit einer verblüffenden wie entwaffnenden Selbstverständlichkeit gelungen, dass damit die bis heute unerreichte Einspielung Georg Soltis zweifellos Konkurrenz bekommen hat.
Oramo treibt das City of Birmingham Symphony Orchestra zu einem disziplinierten, aber nie die Leidenschaft beeinträchtigen Musizieren an. Das dichte orchestrale Gewebe wird mit Intelligenz und Schärfe angegangen. Der zweite Satz "Stürmisch bewegt" gerät zu einem Ausbund an Vitalität und Emotionalität, bei der die zerstörerischen Kräfte irrwitzig aufgefahren werden, um ihnen dann von einem Moment auf den anderen mit wunderbar sanften Eingebungen das Gegengift zu spritzen. Phantastisch und imposant: das "Wagner'sche" Finale mit seinem Strahlen und Leuchten. Fernab falscher Sentimentalität und vulgärem Ton: das "Scherzo", bei dem die kleinsten dynamischen Feinheiten und die flink abwechselnden Motiv-Pointen mit einer mitreißenden und beeindruckenden Reaktionsschnelligkeit beachtet werden. Und wenn selbst in der Mahler-Initiale schlechthin, im "Adagietto" der edelromantische Kitsch in so ein Spannungsgeflecht aus Ruhe, Schönheit und Gebrochenheit gerät, dann ist das schlechthin ein Plädoyer für Mahlers Klang- und Oramos Dirigierkunst.

Guido Fischer, 07.01.2006



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