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Gustav Mahler

Das Lied von der Erde

Robert Dean Smith, Iván Paley, Stephan Matthias Lademann

Telos/Klassik Center 1002
(63 Min., 3/2005, 4/2005) 1 CD

Eine von Gustav Mahlers Forderungen an die Musiker bestand darin, bloß die "Distinktgrenze" einzuhalten. Womit er die Balance zwischen klanglicher und sprachlicher Deutlichkeit meinte. Leicht hat es Mahler mit seinen Vokal-Sinfonien und den Orchesterliedern den Interpreten aber nun wirklich nicht gemacht. Da muss ein Sänger schon reichlich Statur besitzen, damit er nicht vom Orchester an die Wand gedrückt wird. Um solche Gefahrenklippen so wenig wie möglich entstehen zu lassen, war es vielleicht auch ein aufführungspraktischer Grund, dass Mahler gerade von einigen Liedern zwei Fassungen anlegte: für Klavier und für Orchester. Bislang nahezu vollkommen übersehen worden ist aber, dass Mahler mit dem "Lied von der Erde" seinen erregend expressiven und suggestiven Schwanengesang in einer Klavierfassung hinterlassen hat (neben einer Einspielung von Brigitte Fassbaender und Thomas Moser gibt es immerhin von Thomas Hampson den "Einsamen im Herbst" als Klavierlied). Zwar fehlen ihr im Vergleich zur späteren Orchesterversion die detaillierten Angaben zu Tempo und Dynamik. Dennoch scheint auch in der nun ersteingespielten Rekonstruktion für Tenor, Bariton und Klavier nichts zu fehlen, da ist man sofort gepackt von der reduzierten, jedoch nicht einfach schlichten Inszenierung von Sehnsüchten und Zweifeln.
Sieht man von dem "Trinklied vom Jammer der Erde" ab, das in seiner überpointierten Verstörtheit und der narkotischen Süße nicht das Niveau einer handwerklich genauen Transkription übersteigt, entwickeln Tenor Robert Dean Smith und der dosiert in Fischer-Diskau-Dimensionen vorstoßende Bariton Iván Paley mit sensibler Exaltation und "sprechender" Akkuratesse die frösteln machenden Inneneinsichten. Dann wieder wird der Naturlaut im "Pavillon aus Porzellan" mit sehnsüchtigem Charme angegangen, während das "Abendlied" somnambule Empfindsamkeit besitzt. Weil Pianist Stephan Matthias Lademann zudem die pianistischen Herausforderungen tadellos meistert, ist dieses "Lied von der Erde" mehr als nur ein Repertoirelückenfüller.

Guido Fischer, 18.02.2006



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