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Gustav Mahler

Sinfonien und "Das Lied von der Erde"

Diverse Solisten, diverse Chöre, Wiener Philharmoniker, London Symphony Orchestra, Philharmonisches Orchester Israel, Leonard Bernstein

DG/Universal 073 4088
(955 Min., 1972 - 1977) 9 DVDs

Bernstein äußerte einmal, er verstehe Mahler deshalb so gut, weil er wie dieser zwei Seelen in der Brust habe, die des Komponisten und die des Dirigenten. Auch wenn Bernstein auf vielen Gebieten aktiv war, so hatte der Komponist Mahler doch eine besondere Bedeutung für ihn; sein Engagement hat zur Mahler-Renaissance ab den 1960er-Jahren wesentlich mit beigetragen.
Gleich dreimal hat Bernstein die Sinfonien und das "Lied von der Erde" (die eigentliche 9. Sinfonie) komplett aufgenommen. Zwei Gesamteinspielungen entstanden für Schallplatte bzw. CD, zunächst in den 60er-Jahren mit den New Yorker Philharmonikern, dann in den 80ern als Live-Zyklus mit unterschiedlichen europäischen Orchestern. Dazwischen produzierte die Unitel Mitte der 70er-Jahre den vorliegenden Konzertmitschnitt-Filmzyklus, vorwiegend mit den Wiener Philharmonikern.
Die Frisuren der 70er vergisst man schnell, wenn man erlebt, wie Lenny in voller Blüte und aus voller Emotion heraus gemeinsam mit drei Orchestern und der erste Riege an Gesangssolisten, darunter z. B. Janet Baker und Christa Ludwig, Mahlers vielschichtige, farbenreiche Orchesterwerke musiziert. Der Zyklus, darunter auch das legendäre Gastspiel der Wiener Philharmoniker mit der 9. Sinfonie in Karajans Berliner Philharmonie, bietet, wenn auch bereits drei Jahrzehnte alt, faszinierende Interpretationen. Lenny kostet das ganze Spektrum der Mahlerschen Musik aus, mal kammermusikalisch, mal das ganze Orchester inklusive Sonderinstrumenten und Gesang aufbietend, changierend zwischen Witz, Ironie und Tragik, stets mit Emphase und Energie.
Der Höreindruck - neu abgemischt im Surround-Sound - wird im Bild nicht nur unterstützt durch die emotionale Gestik des Dirigenten, sondern auch durch eine Bildregie von Humphrey Burton, die vor allem die klanglich differenzierte Orchestersprache Mahlers mittels zahlreicher Großaufnahmen der solistischen Instrumente und der Spezialinstrumente, teils auch mit Überblendungen, einfängt und außerdem die großartige Architektur der englischen Ely-Kathedrale (Sinfonie Nr. 2) oder die Chormassen der 8. im Wiener Konzerthaus beeindruckend in Szene setzt.
Die Kassette enthält außerdem Probenausschnitte und persönliche Kommentare des Dirigenten. Insgesamt eine faszinierende Darstellung dieser zehn sinfonischen Meisterwerke und zugleich ein Porträt des vielleicht bedeutendsten Mahler-Dirigenten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Peter Overbeck, 04.03.2006



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