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Gustav Mahler

Sinfonie Nr. 5

San Francisco Symphony Orchestra, Michael Tilson Thomas

Avie/Musikwelt 821936-0012-2
(73 Min., 9/2005, 10/2005) 1 CD

Was ist los mit Michael Tilson Thomas? Waren doch seine Mahlerinterpretationen in der Regel immer hoch zu loben – zuletzt etwa seine Siebte, ebenfalls mit dem San Francisco Symphony –, so verwundert der Maestro jetzt, kurz vor dem Ende seines neunen Mahlerzyklus (es fehlen nur noch die Achte und das Fragment der Zehnten), mit einer erstaunlich zahnlosen Version der Fünften: Hört man etwa den Anfang des zweiten Satzes von Solti oder von Bernstein, dann fliegen wirklich die Fetzen. Die Streicher toben, das Blech schmettert, den Hörer packt kaltes Grauen angesichts der abgrundtiefen Verzweiflung, die hier unnachahmlich plastisch in Musik gegossen ist. Anders auf der vorliegenden CD: Es passiert einfach kaum etwas. Akademisch und, na ja, schon präzise kommt dieselbe Musik unter Tilson Thomas’ Stabführung daher, aber von einer existentiellen Ausnahmesituation ist hier nichts zu spüren. Ähnlich geht es dem Hörer auch beim berühmten "Adagietto": Während etwa good old Lenny Bernstein mit den Wienern hier unermesslich weite Klangräume zu öffnen verstand und unstillbare Sehnsucht zum Greifen nah erlebbar machte, bleibt Tilson Thomas eigentümlich blass und akademisch. Welcher verkopfte Interpretationsansatz könnte diese Distanziertheit rechtfertigen? Der Rezensent ist ratlos.

Michael Wersin, 31.03.2007



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