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Gustav Mahler

Sinfonie Nr. 2

Iris Vermillion, Sibylla Rubens, MDR Rundfunkchor, Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, Roger Norrington

hänssler Profil Classic SACD 93.166
(78 Min., 7/2006) 1 CD

Mit seinem unermüdlichen Kampf gegen den Missbrauch des Vibratos hat Roger Norrington die Klassikszene polarisiert: Während die einen das transparente, entschlackte Klangbild seiner Stuttgarter Aufnahmen als Großtat feiern, ist Sir Roger für die anderen ein Erbsenzähler. Auch Mahlers Zweite dürfte die Fronten nicht aufweichen. Wie in den Aufnahmen der ersten, vierten und fünften Sinfonie fördert Norringtons Klangdiät auch hier die Bezüge zutage, die Mahler mit dem 19. Jahrhundert verbinden – die Binnensätze werden endlich einmal nicht als fortschreitende Lähmungsstadien begriffen, sondern fließen als ätherische Schubertvisionen dahin. Das ist Mahler für den Kopf, bei dem jedoch einige sinnlich-emotionale Überwältigungseffekte auf der Strecke bleiben: Auf die elektrisierende Dringlichkeit beispielsweise, die einen in der Einspielung des Mahlerschülers Otto Klemperer schon im ersten Takt des Kopfsatzes anspringt, verzichtet Norrington, indem er die Tremoli weich artikulieren lässt. Im Gegensatz zur vierten und fünften Sinfonie, die bei Norrington eine radikale Strenge und konzeptionelle Stringenz gewannen, klingt die Zweite überraschend milde. Das schlanke, wenngleich sehr präzise eingesetzte Blech steht oft ein wenig verloren im Raum, die langen Phrasen der Streicher scheinen nach festen Anknüpfungspunkten zu tasten – fast als ob Mahler hier seine Vision einer weltumspannenden Sinfonik noch nicht gänzlich füllen kann und die Mittel zum Ausfüllen seiner klangräumlichen Perspektive noch ausprobiert.

Jörg Königsdorf, 21.07.2007



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