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Alexander Skrjabin

Orchesterwerke

Königliche Philharmoniker Stockholm, Leif Segerstam

BIS/Klassik Center BIS-CD-1669/70
(1990-1992) 3 CDs

Beim Blick auf die Trackliste von Leif Segerstams Skrjabinbox glaubt man zuerst an einen Tippfehler: Fast 25 Minuten Zeit nimmt sich der Finne für das "Poème de l’extase", gegenüber den knapp 20 Minuten, die Koryphäen wie Stokowski und Mrawinsky einst zur Bewältigung dieser auskomponierten Hysteriekurve brauchten, entrollt sich das Stück bei Segerstam in Zeitlupe. Was im Konzertsaal eine Sogwirkung freisetzen kann, wirkt auf CD allerdings eher lähmend. Denn die Kunst eines Celibidache, die zusätzliche Zeit zu nutzen, um die Spannungsbögen weiter zu spannen, besitzt Segerstam nicht: Die Stockholmer Musiker phrasieren unter seiner Leitung zwar recht klangschön und gewissenhaft, doch ohne die Hysterie, die Skrjabins grandios überspannte Musik braucht. Der Funke, den Skrjabin im "Poème de’l extase" quasi aus dem Nichts schlägt, verglimmt schon nach einer Minute, weil der Prozess der orchestralen Energieübertragung von Instrument zu Instrument nicht mehr nachvollziehbar ist. Noch problematischer als bei den verknappten Poèmes wirkt sich Segerstams Bedächtigkeit bei den drei Sinfonien aus: Statt die großformatig dimensionierten Sätze durch eine Zuspitzung der dramatischen Kontraste aufzuladen, versinkt er immer wieder in dumpfes Brüten und diffusen Streichersound – Katerstimmung statt Drogenrausch. Das Allegro der zweiten Sinfonie beispielsweise, das bei Vladimir Ashkenazy in 5,52 Minuten zu einer agilen Lebenskampf-Episode wird, ist in Segerstams lethargischen 9’46 Minuten kaum mehr wiederzuerkennen. Eine überflüssige Wiederveröffentlichung.

Jörg Königsdorf, 30.11.2007



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