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IM

Bugge Wesseltoft

Jazzland/Universal 060251743585
(49 Min., 8/2007) 1 CD

Mit seinem Label "Jazzland" und der Formation "New Conception of Jazz" konnte sich der Norweger Bugge Wesseltoft einen hervorragenden Ruf als einer der Väter des neuen skandinavischen Elektrojazz machen. Aber schon 2004 kündigte er an, dass er dringend Veränderung brauche. Der Flügel, den er sich damals nach dem Erfolg seiner Projekte gekauft hatte, soll jetzt, drei Jahre später, zum Befreiungswerkzeug werden.
Mit "IM" legt Wesseltoft ein Solopiano-Album der etwas anderen Art vor. Die Erfahrungen aus der "elektronischen" Zeit des Norwegers klingen dezent nach. Immer wieder nutzt Wesseltoft das Instrument als Perkussionswerkzeug. Klopfen und Saitenschnarren legen als Loops das Fundament für minimalistische Akkordrückungen und gemütsschwere Melodien. Es ist manchmal so, als würde man einem Eisblock beim Abtauen zuhören.
Nicht wirklich gelungen ist der Versuch des Pianisten, politische Statements in seiner Musik einzufangen. Im Stück "Wy" hört man George W. Bush gegen den Terror wettern und eine kongolesische Frau klagen, dazu erklingt ein wehmütiges Klavier. Ist bestimmt gut gemeint, klingt aber arg plakativ. Sehr schön ist hingegen das Zusammentreffen von Mari Boines Lappenjuchzern und Wesseltofts E-Piano in der Funknummer "Yoyk". Da sieht man mal wieder, wie lässig die Norweger Tradition und Discomoderne zu verbinden wissen.
Wesseltofts letztes Solo-Album erschien 1996, vor dem Durchbruch mit "New Conception of Jazz". Man darf gespannt sein, was nun nach "IM", diesem Zwischenhalt mit rhythmisch tuckerndem Motor, kommen mag.

Josef Engels, 30.11.2007



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