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Olivier Messiaen

Sämtliche Orgelwerke

Willem Tanke

Brilliant Classics/Foreign Media MMK 8639
(474 Min., 6/1994) 8 CDs

Wie lässt sich in Tönen predigen? Gehören religiöse Texte dazu? Oder ist die Musik an sich schon gottverbunden? Mit solchen Kardinalfragen beschäftigt sich spätestens seit Johann Sebastian Bach die musikalische Glaubenswelt. Für Olivier Messiaen, den französischen Doyen der Musik des 20. Jahrhunderts, war die Antwort dagegen ganz einfach. Gerade die Orgelmusik ermöglichte ihm "einen wunderbaren Ausblick auf das Jenseits". Kaum verwunderlich, dass für den Christen Messiaen daher die Orgel zum Dreh- und Angelpunkt seines langen und enorm schöpferischen Lebens werden sollte. Über 60 Jahre lang, ab 1931 bis kurz vor seinem Tod 1992, war er Gemeindeorganist an der Pariser Eglise de la Trinité. Und was hat er als visionärer Klangmystiker in seinen epochalen Orgelwerken nicht alles aufgeboten, um dem Himmel ein Stück näher zu kommen: exotisch verzwickte Rhythmen und leuchtkräftige Farbakkorde, hochvirtuose Klangfülle und sinnlich-süße Klangwirkungen – und nicht zu vergessen all die wundersamen Vogelgesänge, mit denen der begeisterte Ornithologe Messiaen die gefiederten Freunde als Botschafter des musikalischen Glaubens verewigte. Von dem ersten Orgelwerk "Le banquet céleste" (Das himmlische Gastmahl) von 1928 bis zum letzten großen Zyklus "Livre du Saint Sacrement" von 1984 gab Messiaen so einer Spiritualität Ausdruck, die selbst eingefleischte Heidenkinder und orthodoxe Atheisten in den Bann ziehen.
Davon können sich auch diese entlang der gesamten Bandbreite des Messiaen’schen Orgelschaffens überzeugen, das Willem Take vor 13 Jahren eingespielt hat. Die Schreurs-Orgel an der St. Bavo-Basilia im niederländischen Haarlem war ihm dabei ein exzellenter Partner. Materialnahes Klingen verbindet sich hier mit einem weichen, dann wieder voll leuchtenden Farbenreichtum in den Registern. Und selbst die grellsten Ausbrüche wie in dem Zyklus "La Nativité du Seigneur" rutschen nie ins bombastisch Ungefähre ab, sondern behalten ihre mystische Spannung und expressionistisches Feuer. Wem manches vielleicht dann doch allzu bedeckt und milde vorkommt (wie im Mittelsatz "Consécration" der "Messe de la Pentecôte"), der sollte bedenken, dass nicht nur der Interpret sich die meditative Kraft erarbeiten muss. Spätestens am 10. Dezember 2008 wird sich diese Mühe Gewinn bringend gelohnt haben – wenn die Musikwelt den 100. Geburtstag von Olivier Messiaen begehen wird.

Guido Fischer, 30.11.2007



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