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Georg Friedrich Händel

Flaming Rose (Neun deutsche Arien)

Julianne Baird, Tempesta di Mare

Chandos Chaconne/Codaex CHAN 0743
(69 Min., 3&2006) 1 CD

Kürzlich konnte nach langer Zeit einmal wieder eine rundum überzeugende, in mancher Hinsicht innovative Neueinspielung von Händels "Neun deutschen Arien" vorgelegt werden: Die der Engländerin Carolyn Sampson, eine sowohl rein stimmlich wie auch interpretatorisch (z. B. in puncto Sprachbehandlung und Verzierungstechnik) als vorbildliche zu lobende Leistung. Es wäre nun fast ein Wunder gewesen, hätten wir nur wenige Wochen später gleich wieder eine solche Spitzenproduktion mit demselben Repertoire zu feiern gehabt. Immerhin gehört die amerikanische Sopranistin Julianne Baird, die sich auf der vorliegenden CD gemeinsam mit den "Tempesta di Mare Chamber Players" Händels deutschen Arien widmet, auch zu den bekannten Größen der historisierenden Aufführungspraxis; in der Beiheftbiografie lässt sie sich gar als "U.S.’s foremost soprano in early music" vorstellen und präsentiert sich zudem als Autorin einer Gesangsschule und als "Dr Baird". Nun ist es aber in den Kreisen der ausübenden Musiker zum Glück Usus, dass Titel und Thesen niemals tatsächliche künstlerische Leistungen zu ersetzen vermögen – an der Ausgewogenheit zwischen Anspruch und hörbarem Ergebnis mangelt es aber im Blick auf diese CD-Produktion.
#e#Julianne Baird bekommt ihre Stimme nicht mehr so gut in den Fokus, dass eine Ausgeglichenheit der Lagen und Vokale zu erreichen wäre: Besonders von der Mittellage an abwärts klingt sie ausgesprochen matt und überlüftet, weiter oben wechselt die Prägnanz etwa des Vokales "A" ohne erkennbaren Grund zwischen durchaus wohlklingender Vordersitzigkeit und unangenehmer Gaumigkeit. Solche Irritationen stören natürlich immer wieder den melodischen Fluss und ermöglichen auch keine durchgehend befriedigende Präsenz des Textes; irritierenderweise stehen dadurch recht gelungene neben eigenartig lauen und müden Passagen. Verzierungstechnisch erweist sich Frau Baird gelegentlich als recht kreativ und gewandt, oft aber als sehr einfallslos; auch auf dieser Ebene ist keine klare Linie zu erkennen. Die Sprache behandelt sie teils durchaus geschickt und differenziert, andernorts (besonders enervierend etwa in "Das zitternde Glänzen der spielenden Wellen") penetrant falsch durch ständige Überstrapazierung von auf höheren Tönen als die Hauptsilben liegenden Nebensilben – ein Anfängerfehler. Nicht durchgängig zu überzeugen vermag auch das begleitende Instrumentalensemble: Eine sehr unsaubere Traversflöte in "Süße Stille" und ein undifferenziert einherstapfender Generalbass in "Meine Seele hört im Sehen" gehören hier zu den ärgerlichen Aspekten. Insgesamt also eine uneinheitliche Einspielung, die nur hier und da einmal aufhorchen lässt, niemals aber über längere Strecken begeistern kann.

Michael Wersin, 30.11.2007



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