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Paul Hindemith

Sinfonische Metamorphosen, Die vier Temperamente, Sinfonie Mathis der Maler

Emanuel Ax, Los Angeles Philharmonic, Esa-Pekka Salonen

Sony CD 64087
(80 Min., 6/1999, 1/2000)

Ein Hindemith-Programm, das idealer auf die kalifornische Luxus-Truppe aus Los Angeles nicht zugeschnitten sein kann! In den "Sinfonischen Metamorphosen" brechen am Ende alle Orchester-Dämme in brillantestem Fortissimo. In den "Vier Temperamenten" für Klavier und Orchester entfaltet man eine kammermusikalische Farbigkeit, die ihre erzählerischen Dimensionen bis in die dunkelsten Zonen hinab behält. Und in der Sinfonie "Mathis der Maler" bekommt das oftmals kontrapunktische Rückgrat endlich einmal eine Elastizität und Beweglichkeit, um das ganze Ausmaß des Glühens, Leidens und Bebens bis in die letzte Pore sinnfällig zu machen. Wenn es denn ein US-amerikanisches Orchester gibt, das die fiebrige Nervosität und den mitreißend-virtuosen Weltschmerz so transparent ausbalanciert, dann ist es das Los Angeles Philharmonic Orchestra, das von seinem Chef Esa-Pekka Salonen erneut zur Höchstleistungen angestachelt wurde.
Dass man sich auf diesem Terrain so wohl fühlt, ist aber auch nicht verwunderlich. Denn wie kein zweites Orchester hat es unter Salonen gerade die Klassische Moderne so umfassend dokumentiert. Und kein Zufall ist es daher, dass man durch die Hintertür durchaus Mahler und Schostakowitsch wieder begegnet. Was besonders für die im amerikanischen Exil komponierten "Metamorphosen" und die "Temperamente" gilt. Mit scharf rhythmischem Profil und magisch-pochendem Ausdruck entlädt sich das Alte Europa, während zwischendurch die leistungsstarken Bläser im "Turandot"-Satz einen verwegenen Jazz-Groove anschlagen. Und steigen die "Vier Temperamente" gleich mit einem Lamentoso ein, das Mahlerhafte Züge besitzt, hüpft Emanuel Ax mit präziser Ausgelassenheit so grotesk hinein, als ob Hindemith eine Schostakowitsch-Partitur unter dem Kopfkissen gehabt hätte. Doppelbödig und dennoch in einem vollkommenen natürlichen Fluss zeigt sich schließlich die "Mathis der Maler"-Sinfonie. An die Stelle der lutherisch-holzgeschnitzten Klangarbeit tritt jetzt eine pastorale Durchhörbarkeit. Die Spiritualität steigert sich zur Größe, aber nie zu einem Rausch, während der finale Choral keinen überwältigenden Charakter, sondern visionären Atem besitzt.

Guido Fischer, 05.03.2005



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