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Berlin Spirits

Barbara Jungfer

Minor Music 801118/In-Akustik
(53 Min.) 1 CD

Eines der Stücke von Barbara Jungfer heißt "Wolfspelz". Es ist ein beredter Titel, der zu der ungewöhnlich strukturierten Ballade genauso passt wie zu Jungfers instrumentalem Personalstil allgemein. Denn die E-Gitarre gilt landläufig als fieses, reißerisches Wesen. Unter den Händen der Berlinerin offenbart es allerdings seine sanfte Schafsseele.
Okay, das ist jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben. Denn ihrer halbakustischen Ibanez hat Barbara Jungfer keineswegs die Zähne gezogen. Die Aufnahme "Berlin Spirits" liefert dafür reihenweise gute Beispiele. Etwa die zwischen Funk, New Orleans und urbanem Rock-Bebop angelegten Nummern "22:22" oder "Tubi Fish", die einen starken John-Scofield-Einfluss dokumentieren. Ein bloßes Abziehbild ihres hörbaren Saiten-Vorbildes ist Jungfer jedoch nie. Vielmehr pflegt die Gitarristin in ihren Soli und Kompositionen einen ganz eigenen Ton. Das ist alles fingerflink, aber nicht geschwätzig, in Taktartenauswahl und Stückaufbau avanciert, aber niemals kopflastig. So gemahnt denn auch ein Stück wie "Lichtkatze" mit seinem Eigensinns-Swing und seinen gewitzten Temposchwankungen mehr an Helge als an Maria Schneider – was durchaus als Kompliment zu verstehen ist.
Wie auch die Auswahl der Mitmusiker zu loben wäre. Der Hauptstadt-Trompeter und –Flügelhornist Sven Klammer verdient viel mehr Aufmerksamkeit, als ihm bislang bei seinen diversen Sideman-Auftritten zuteil geworden ist. Hinzu kommen die hervorragend zuarbeitenden und solierenden Anke Helfrich am Klavier, Oliver Portratz am Bass und Sebastian Merk am Schlagzeug. Dass die Bandleaderin im von Frauen – aus was für Gründen auch immer – fast gar nicht betanzten Jazzgitarrenfach eine gute Figur macht, braucht wohl nicht noch einmal extra erwähnt zu werden. Eine Entdeckung im Wolfspelz.

Josef Engels, 20.08.2005



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