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Nightwatch

Silje Nergaard

Emarcy/Universal 986 564-8
(52 Min., 2/2003, 6/2003) 1 CD

2002 gelang der norwegischen Sängerin Silje Nergaard der Durchbruch in Mitteleuropa. Es lag an der süßen Unschuld, mit der man diese an Blossom Dearie gemahnende Stimme auf der CD "At First Light" schmachten hörte. Vielen Käufern gefiel das, wohl auch, weil man sich in dem Krisenjahr stark nach Frolleinwundern sehnte. Schöner Nebeneffekt: Im Kielwasser von Nergaards Erfolg wurde auch ihr Begleittrio um den Pianisten Tord Gustafsen mit einer Einspielung bei ECM an die Bewusstseinsoberfläche von Kritikern und Publikum gespült.Nun, die Krise ist immer noch da. Aber die eskapistische Begleitmusik fängt langsam an, einem gehörig auf den Nerv zu gehen. Silje Nergaards neue Aufnahme kann man da als mahnendes Beispiel nennen. Es sei zunächst festgestellt: Die Norwegerin ist nicht so naiv, wie ihre mädchenhaft vibrierenden Stimmbänder vermuten lassen. In ihrem Heimatland hat die von Pat Metheney in ihrer Karriere-Anfangsphase unterstützte Mittdreißigerin schon eine Reihe von Tonträgern herausgebracht, die mal mit Standardbearbeitungen, mal mit Folklore, mal mit lupenreinem Pop kokettierten. Mittlerweile hat es sich Nergaard zum Ziel gesetzt, aus den eigenen Songwriter-Künsten im Verbund mit den Texten des PEN-Mitglieds Mike McGurk Jazz-Kapital zu schlagen. Was auf "At First Light" überraschend gut funktionierte - Originals wie zu Unrecht vergessene Real-Book-Klassiker klingen zu lassen - führt auf "Nightwatch" zu einer Ansammlung von gefälligen Tralala-Liedern mit ein bisschen Streichersenf und Klischee-Saxofon-Beilage. Bezeichnenderweise ist es die einzige Cover-Version auf dem Album, die ansatzweise zu überzeugen vermag: die anders-depressive Lesart der Metheney/Bowie-Kollaboration "This Is Not America". Der Rest schmilzt im Gehörgang so schnell dahin wie Neuschnee in der Aprilsonne. Das ist nicht mehr bezaubernd, sondern einfach nur noch: nett.

Josef Engels, 24.01.2004



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