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No Escape

Ramón Valle-Trio

ACT/Edel 9424-2
(63 Min.) 1 CD

"Ich möchte nicht der Standarddefinition von Latin Jazz folgen, die jeder kennt, und bei der jeder sofort an heiße Congas denkt", sagt Ramón Valle. Ein begrüßenswerter Ansatz des 1963 auf Kuba geborenen und inzwischen in den Niederlanden lebenden Pianisten. Auf den Fluten der Kubajazz-Welle nach Ausbruch der Buena-Vista-Epidemie surft Valle nämlich mit unkonventioneller Grazie seinen Konkurrenzanbietern davon. Bestand seine erste CD unter dem deutschen ACT-Labeldach noch aus Jazzbearbeitungen der Kompositionen des kubanischen Gershwin Ernesto Lecuona, dreht er jetzt sein eigenes Ding.
Den Titel "No Escape" könnte man da zunächst so deuten, dass die Flucht aus der Tradition eigentlich unmöglich ist. Aber Valle gelingt mit seinen beiden Kollaborateuren, dem Bassisten Omar Rodríguez Calvo und dem Schlagzeuger Liber Torriente, ein schöner Ausbruch. Die Tanzschritte und die Clavé-Rhythmen des gelobten Zigarrenlandes sind zwar noch irgendwie im Gespinst von Valles Kompositionen präsent. Sie werden jedoch überformt von Reibeisen-Harmonik, abstrusen Kicks und metrischen Unregelmäßigkeiten. Valle spielt dazu wie Keith Jarrett ohne Pathos oder wie Chick Corea ohne selbstverliebtes Virtuosentum. Latin Jazz ist das tatsächlich nicht. Sondern ein originelles Liebesbekenntnis zu Kuba, den Staaten und Europa. Sui generis.

Josef Engels, 15.11.2003



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