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Der Frankfurt Sound

Diverse

Infracom 120-2/Soulfood
(79 Min.) 1 CD

Das ist auch mal etwas Neues: ein hidden track, der sich vor dem offiziellen CD-Programm befindet. Im Falle dieses Tonträgers ergibt das durchaus Sinn. Denn das Stück "Harlem" des Hot Club Sextetts, an das man nur durch Benutzen der Rücklauftaste am CD-Player gerät, musste in seiner Entstehungszeit ähnlich obskur bleiben. 1941 nahmen Emil Mangelsdorff & Co diese Nummer auf, gewissermaßen unter Gefahr für Seele und Leben. Swing hören, Swing tanzen und erst recht Swing spielen war nämlich absolut verboten im Main-Frankfurt unter dem Hakenkreuz. Die renitenten Swing-Kids aus Hessen pfiffen drauf – und bereiteten den Boden für die blühendste Jazzlandschaft in Deutschland nach dem Krieg. Wie es so weit kam, konnte man in Jürgen Schwabs 2004 auf den Markt gekommenen Prachtband "Der Frankfurt Sound" nachlesen. Wie das klingt, erfährt man nun auf dem von Schwab und dem Frankfurter Tanzjazz-Label Infracom betreuten Sampler gleichen Namens.
Allzu Avantgardistisches, allzu Traditionelles findet man auf dieser Kompilation, die Erzeugnisse üblicher und weniger üblicher Verdächtiger versammelt, nicht. Dafür wähnt man sich des Öfteren im Rare-Groove-Wunderland. Gerade die vier bislang unveröffentlichten Stücke unter den 16 Musterbeispielen Frankfurter Groovekultur haben es in sich. Da wäre etwa der zeitlos lässige Hardbop, den Emil Mangelsdorff gemeinsam mit dem Fritz Hartschuh Quartett bereits 1954 unter dem Namen "No Problem" in die Welt blies – wir sind wieder wer! Oder das "Perpetual Questions" betitelte Hörbeispiel für den großartigen Charakterkopf-Kammerjazz, den das hr Jazzensemble seit Jahrzehnten viel zu wenig beachtet pflegt. Ähnlich wie in Schwabs Buch lernt man einiges. Und wird dabei auch noch prächtig unterhalten.

Josef Engels, 04.06.2005



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