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Great German Songbook

Young Friends

ACT 9652-2/Edel Contraire
(48 Min., 2/2005) 1 CD

Man erinnere sich: Als Till Brönner Anfang der 90er Jahre sein ambitioniertes "German Songs"-Projekt mit sinfonischen Bearbeitungen von UFA-Klassikern vorstellte, gab es auch ablehnende Stimmen. Von einem allzu sorg- und kritiklosen Umgang mit der deutschen Vergangenheit war die Rede. Wie viel entspannter man inzwischen hierzulande mit der schwierigen Geschichte umgeht, lässt sich an der Debüt-Einspielung der "Young Friends" ablesen. Sie trägt mit "Great German Songbook" einen Titel, der noch vor ein paar Jahren nach purer Selbstüberschätzung und Größenwahn geklungen hätte. Natürlich steckt auch eine Portion bewusste Provokation dahinter. Aber, Überraschung, ganz so wild und verwegen ist das Endresultat gar nicht geworden.
Es liegt an den Arrangements von Florian Ross, die mit den Melodien von Lehars "Dein ist mein ganzes Herz", Nissens Knef-Erkennungsstück "Eins und eins" oder Kaempferts "Strangers in the Night" ausgesprochen nachsichtig umgehen. Die Rhythmusgruppe – Pianist Michael Wollny, Bassistin Eva Kruse und Schlagzeuger Eric Schaefer – legt oftmals einen Ostinato-Teppich, auf dem Tompeter Axel Schlosser, Saxofonist Florian Trübsbach und Posaunist Johannes Lauer die Themen wie Flohmarkt-Kostbarkeiten ausbreiten können. Diese extrem ehrfürchtige Liedgut-Behandlung führt allerdings bei Grönemeyers eher einfach gestricktem "Mensch"-Hit zu unfreiwilliger Komik.
Durchweg überzeugend ist hingegen das zupackende, leidenschaftliche und augenzwinkernde Spiel der allesamt unter-30-jährigen "Young Friends", die als Nachfolger der von Albert Mangelsdorff angeführten All-Star-Band "Old Friends" verstanden werden sollen. Mangelsdorff, der wahrhafte "Great German", lebt nicht mehr. Aber keine Sorge: Sein Erbe der eigensinnigen Anverwandlung amerikanischer Jazz-Tradition auf der Grundlage europäischen Selbstbewusstseins wird vom Nachwuchs gut und liebevoll gepflegt.

Josef Engels, 27.08.2005



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