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Hermann Zilcher

Lieder

Konrad Jarnot, Alexander Schmalcz

Oehms Classics/harmonia mundi OC 802
(61 Min., 3/2006, 9/2006) 1 CD

Der englische Bariton Konrad Jarnot ist immer für eine Repertoireüberraschung gut. War es etwa im Falle der "Vier letzten Lieder" von Strauss die Adaption eines bisher ausschließlich von Frauen interpretierten Liederzyklus, so ist es beim vorliegenden Programm die erfolgte, lohnenswerte Auseinandersetzung mit einem vergessen Komponisten. Hermann Zilcher (1881-1948) gehört zu jener "lost generation" von Tonkünstlern im deutschsprachigen Raum, die es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch gewagt haben, in einer nachromantischen, harmonisch farbenreichen Stilistik tonal zu komponieren. "Wir leben heute in einer Zeit, die erneut Sensibilität für die feinen Zwischentöne dieser noch in der Tradition der Spätromantik wurzelnden Musik entwickelt hat", schreibt Lenz Meierott im Beiheft zu dieser CD ebenso treffend wie dezent. Dem ist nichts hinzuzufügen; "Genießen ohne Reue" ist angesagt beim Einlegen dieser CD. Zilcher, der an der Münchner Akademie für Tonkunst lehrte und zu dessen Schülern auch Carl Orff gehörte, vertonte in seinen insgesamt 82 Liedern für Klavier und Gesang, von denen diese CD mehr als ein Drittel enthält, u. a. Texte von Eichendorff und Liliencron, aber auch Gedichte aus den "Fabeln für Kinder" von Johann Wilhelm Hey (1798-1854). Konrad Jarnot, tadellos einfühlsam begleitet von Alexander Schmalcz, zelebriert die Klavierlieder mit der ihm eigenen, ungeheuer engagierten Herangehensweise, die eine Vorliebe für große Crescendi und packende Höhepunkte zum Zentrum hat. Da Jarnot außerdem auch über ein gesundes, klangvolles Piano verfügt, erweist er sich als prädestiniert für dieser Musik, die mit ihrem oft vielstimmig-kraftvollen Klavierpart sicher nichts für stimmliche Leichtgewichte und versonnene Voix-mixte-Akrobaten ist. Die Leidenschaftlichkeit, die Zilchers Musik allenthalben atmet, spiegelt sich wider in Jarnots tendenziell exzessiver Art zu singen. Und dennoch: Einige Fortissimo-Spitzentöne klingen in ihrer rau-ungeschützen bruststimmigen Körperhaftigkeit ein wenig zu angestrengt und unruhig. Hoffentlich kennt Jarnot, der so reich begabte, auch seine rein physischen Grenzen und schädigt nicht aus purer Begeisterung sein großartiges Material.

Michael Wersin, 21.07.2007



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