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Alexander von Zemlinsky

Lyrische Sinfonie, Zwischenspiele aus Opern

Soile Isokoski, Bo Skovhus, Gürzenich-Orchester Köln, James Conlon

EMI 5 57307 2
(78 Min., 8/2001) 1 CD, http://www.onlybeck.de/index_klassik.php?artnr=1000044916&bereich=klassik&partner=3

Alexander von Zemlinsky brachte in seiner "Lyrischen Sinfonie" ein doppeltes Kunststück fertig: Erstens, im Jahre 1922, als die Welt des Fin de siècle schon längst im Tosen der Moderne untergegangen war, eben diese Welt noch einmal in all ihrem Glanz auferstehen zu lassen und nachträglich ein Hauptwerk einer bereits vergangenen Epoche zu schaffen. Und zweitens, eines der größten Meisterwerke, nämlich Mahlers "Lied von der Erde", quasi noch einmal neu zu formen und dabei nicht etwa einen Aufguss abzuliefern, sondern ein weiteres Meisterwerk.
Der Zyklus von sieben Liedern nach Rabindranath Tagore - für Sopran und Bariton komponiert - spricht eine ganz eigene Sprache, changierend zwischen Erotik, Euphorie und Resignation, und repräsentiert nichts weniger als Zemlinskys künstlerisches und menschliches Glaubensbekenntnis.
Sängerisch ist die neue Einspielung hervorragend gelungen. Bo Skovhus' energisch-viriler Bariton überzeugt vor allem in den ruhelosen (Nr. 1) und konfliktbestimmten (Nr. 5) Phasen dieser in Liedern erzählten Geschichte einer scheiternden Liebe, vermag aber auch den Worten "Du bist mein Eigen" (Nr. 3) sowie dem Verzicht und der letztlichen Sublimation des Finales unvergleichlichen Ausdruck zu verleihen.
Soile Isokowski, eine der charaktervollsten Sopranstimmen der letzten Jahre, ist Skovhus' idealer Widerpart und gestaltet das zentrale "Sprich zu mir, Geliebter" (Nr. 4) mit trancehafter, Ort und Zeit entrückter Sinnlichkeit. Vor allem gehen die beiden absolut souverän mit dem Text um. Bei den Sängern auf der ansonsten mustergültigen Einspielung mit Riccardo Chailly und dem Concertgebouw-Orchester (Decca) hat man oft den Eindruck, dass sie gar nicht wissen, was sie da singen - zumindest bei Alessandra Marc nicht.
Beim ersten Hören beeindrucken auch James Conlons Dirigat und das opulente und dynamische Klangbild. Ein Blick in die Partitur jedoch zeigt, dass Conlon ein recht eindimensionales Bild des Werks zeichnet. In seiner zupackenden, hauptstimmenbetonten Interpretation gehen viele Details des ungeheuer vielschichtigen orchestralen Geflechts unter. Die Chailly-Aufnahme und auch die (gestrichene) Einspielung mit Lorin Maazel, Julia Varady und Dietrich Fischer-Dieskau sind hier vorzuziehen.
Wegen Skovhus und Isokoski lohnt sich diese CD trotzdem - und auch wegen der orchestralen Zwischenspiele aus verschiedenen Opern Zemlinskys: Sie zeichnen ein musikalisches Kurzporträt des Komponisten von der noch recht unpersönlichen Brahms- und Wagner-Nachfolge des Frühwerks bis zur diffizilen und beunruhigenden Tonsprache seiner letzten Oper "Der König Kandaules".

Thomas Schulz, 23.05.2002



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