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Franz Liszt

Werke für Klavier solo, Klavier und Violoncello, sowie für Orchester

Anima Eterna Brugge, Jos van Immerseel

Zig-Zag Territoires/Note 1 040902 u. 041102
(142 Min., 9/2003, 1/2004) 2 CDs

Wollen wir mal ganz frech sein. Und die frohgemute Behauptung aufstellen, dass der gute Liszt so war wie das Wetter - oder, um nicht allzu weit von der Kunst sich zu entfernen so, wie es Verdi, durch seinen Herzog von Mantua vertreten, den Frauen andichtete: "La donna è mobile". Die Beschreibung gilt für den Menschen Franz Liszt ebenso wie für den Komponisten Franz Liszt, wobei nun aber der Komponist an dieser Stelle mehr interessiert als der Mensch. Betrachten wir also seine Werke, dann fällt eben auf, dass darunter einiges Großartige sich findet (in der Hauptsache sind es die Werke für Klavier), einiges nicht gar so Großartige (in der Hauptsache sind damit die "Symphonischen Dichtungen" gemeint) und schließlich einiges rechtschaffen Überflüssiges (durch alle Genres zieht sich nämlicher Faden). Langer Rede kurzer, bedächtig formulierter Sinn: Es macht nicht unbedingt ebendiesen Sinn, wenn man das Enzyklopädische im Oeuvre Liszts versucht.
Jos van Immerseel, rastloser Forscher, hat es gleichwohl an der Seite des Ensembles Anima Eterna (ein schöner, tauglicher Name) und einiger weniger solistischer Mitstreiter getan. Und auf gleich zwei silberglänzenden Scheiben einige Werke von Liszt zusammengestellt, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie auf einem Instrumentarium erklingen, welches zu Lebzeiten des Frauenverführers, Salontigers und spätgewendeten Paulus Verwendung fand. Reizvoll ist so etwas immer, zugegeben. Ein Piano von Erard aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts tönt gar wundersam verlockend in unserer Zeit. Das Problem ist nur: Ein Stück wie, um ein zentrales Beispiel zu nennen, "La Notte" wird dadurch nicht besser. Es dient, dem Titel sei es nicht geschuldet, schlicht wie eine Nacht ohne Liebe: einschläfernd. Auch die Stücke für Violoncello und Klavier, die auf der Kammermusik-CD versammelt sind, atmen doch eher den Geist des verlassenen Ballsaals; (schlaf)trunken treffen die Protagonisten einander an der Sekttheke, der Morgen graut schon. Immerhin, einige Auffrischung bringt die andere Aufnahme, wo das Ensemble Anima auf seinen historischen Instrumenten einen rasanten "Totentanz" hinlegt und auch in der politisch nachhaltig verdächtigen Symphonischen Dichtung "Les Préludes" das Pathos vom Werkleibe fernhält. Für Begeisterungsstürme allerdings taugt all dies nicht wirklich.

Tom Persich, 22.12.2004



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