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Mauricio Kagel

Tantz-Schul

Margaret Chalker, Christoph Späth, Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern, Mauricio Kagel

Winter & Winter/Edel 910 099-2
(76 Min., 12/2001, 10/2002) 1 CD

Dem Ohr ein Bein stellen, gehört zur Spezialität von Mauricio Kagel. Statt in die Höhen einer auf sich allein gestellten Kunstproduktion trieb und treibt es Kagel daher dorthin, wo er mit handfesten Fundstücken jonglieren kann und daraus musikalische Phantasmagorien entstehen lässt, die beängstigend und amüsierend zugleich sind. Und seine 1987 komponierte und 2001 noch mal revidierte "Tantz-Schul" für Orchester und Sänger soll so ein Wechselbad der Gefühle, Klangfarben und -erinnerungen sein. 18 von insgesamt 70 Ballett-Szenen und Melodien, die der venezianische Tanzmeister Gregorio Lambranzi Anfang des 17. Jahrhunderts in einem Hand- und Lehrbuch präsentierte, hat Kagel für seine "Ballet d'action" ausgesucht. Als eine eher spielerische Auseinandersetzung mit den im Original falsch notierten Kompositionen. Und bei denen der Boden für die idealen höfischen und Volkstänze wacklig wird.
Bei Kagel geraten sie natürlich noch weiter auf die schiefe Ebene. In einer nach- und weiterkomponierten Orchestrierung der Hexentänze, Gaillards und Sarabanden, mit Texten u. a. aus den Zahnarzt-Praxen von anno Tobak. So schauerlich-bizarr aber Kagel die einfachen Melodien in einen Klangtaumel versetzt, so versiert ist das alles lediglich gemacht. Der archaisch wirkende Varieté-Schmiss ist glänzend von Erik Satie abgehört, verliert sich Carl Orff'sche Rustikalität in aufgeplusterter Belanglosigkeit, während das Diabolische im Gegensatz zu György Ligeti hier nur kunsthandwerklich funktioniert. Die postmoderne Nase, die Kagel einmal mehr aufgesetzt hat, besitzt da von vornherein einen Knick.

Guido Fischer, 01.11.2003



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