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Jacques Offenbach

La belle Hélène

Felicity Lott, Yann Beuron, Michel Sénéchal u.a., Les Musiciens du Louvre Grenoble, Marc Minkowski

Virgin Classics/EMI 5 45477 2
(118 Min., 9/2000) 2 CDs

Seit letztem Jahr ist es amtlich: die unbändige Schöpferkraft des Kölschen Jungs und Wahl-Parisers Jacques Offenbach wird endlich feinsäuberlich rekonstruiert. Und damit das schiefe, weil bislang oft nur aus Klavierauszügen gezogene Offenbach-Bild in einer kritischen Gesamtausgabe geradegerückt. Allein 41 Bände sind für seine Bouffonerien und Opéras Comique reserviert, wobei der erste "Forschungsbericht" bereits vielversprechend ist.
An der Pariser Stagione-Oper Théâtre du Châtelet brachte Dirigent Marc Minkowski die 1864 uraufgeführte Opéra-bouffe "La Belle Hélène" heraus und liess das Unterhaltungspendel historisch korrekt, aber unakademisch ausschlagen. Statt plump überdrehtem Operettenton und zähmassigem Mischklang straffte Minkowski in dieser Antiken-Parodie erst einmal die Konturen, um eine Balance aus delikater Lässigkeit und knackigem Schwung herzustellen.
Vor allem aber lenkt Minkowski den Blick auf Offenbachs unterschätzte Paten, auf Rameau und Gluck. Von Gravität über pastorale Leichtigkeit bis zur musikdramatischen, die Götter verballhornenden Rhetorik reichen so in dem Mitschnitt die Ausdruckstemperaturen, die das Sänger-Ensemble dank einer faszinierend transparenten Déclamation francaise noch potenziert.
Als liebestolle, aber frustrierte Gattin sucht Felicity Lott in der Titelrolle in bester Tragédie en musique-Tradition und mit einer düster-expressiven Klangrede bei der Göttin Venus um Lebenshilfe. Und legt dann reichlich Puder auf, um stimmlich gehörig mit den Hüften zu wackeln. Für Yann Beuron als Prinzen/Hirten Paris, der an amourösen Lockstoffen ebenfalls einiges zu bieten hat: ob als gutgebauter Heldentenor-Adonis oder als soprane Farinelli-Kopie. Es sind nur zwei von zahllosen Trumpfkarten, die mit müheloser Leichtigkeit, theatralischem Schmiss und knalligen Effekten ausgespielt werden. Was auch für Minkowskis Musikanten gilt. Wie in der Fanfare zu Beginn des zweiten Aktes, die er im Stile einer New-Orleans-Marching Band durchpusten lässt.

Guido Fischer, 29.11.2001



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