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Jacques Offenbach

Die Rheinnixen

Regina Schörg, Nora Gubisch, Piotr Beczała u.a., Nationalorchester Montpellier, Friedemann Layer

Accord/Universal 472 920-2
(209 Min., 7/2002) 3 CDs

Nachdem Marc Minkowski mit Jacques Offenbachs populärer "Belle Hélène" vor zwei Jahren den Startschuss für die überfällige Kritische Offenbach-Edition gegeben hat, haben die Herausgeber mit den "Rheinnixen" endlich ein unbekanntes Meisterwerk aus den Untiefen geholt. 1864 wurde Offenbachs romantische Oper mit durchschnittlichem Erfolg am Wiener Hofoperntheater uraufgeführt. Und verschwand danach wieder in den Archiven. Nicht nur, weil Offenbach die Pariser Erstaufführung zugunsten der Arbeit an seiner "Helena" aus den Augen verlor. Im Schatten von Wagner, des deutschen Antisemitismus und pathologischen Nationalgedankens musste der "Jude" Offenbach mit seiner so gar nicht patriotischen Oper aus dem deutschen Gedächtnis geradezu verschwinden.
Umso höher steigt damit auch der kulturpolitische Wert der jetzt vorliegenden Weltersteinspielung der "Rheinnixen" (Les Fées du Rhin) in der deutschen Originalfassung. Und das für seine Lust an Raritäten vorbildliche Nationalorchester aus Montpellier unter Friedemann Layer präsentiert in dem Live-Mitschnitt einen Vierakter, dessen Handlung dem Deutschnationalen eben streng aufstoßen musste: die im 16. Jahrhundert angesiedelten Kriegs- und Eroberungszüge beendet die Heldin Armgard im Elfen-Chor mit friedensstiftenden Gesängen. Dass in der von Auber, Weber und Berlioz geprägten Partitur dabei einige Melodien gleich doppelt die Ohren spitzen lassen, hat einen einfachen Grund: Offenbach recycelte so manchen Einfall wie das als "Barcarolle" berühmt gewordene "Elfenlied" in "Hoffmanns Erzählungen". Das Sänger-Ensemble jedenfalls nimmt dabei die spritzigen Koloratur-Künste genauso Ernst, wie es das mitreißend entschlackte Romantik-Bild von all seinen besten Offenbach-Farben zeigt.

Guido Fischer, 02.08.2003



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