Responsive image
Jacques Offenbach

Ouvertüre "Orphée aux enfers", Grand Concerto, Ballet des flocons de neige u.a.

Jérôme Pernoo, Les Musiciens du Louvre Grenoble, Marc Minkowski

DG/Universal 477 6403
(78 Min., 1/2006) 1 CD

Die Arbeit des Musikforschers beschränkt sich nicht immer auf dunkle, staubige Archive. Manchmal kommt er weit rum. Und im Fall des wild verstreuten Nachlasses von Jacques Offenbach besonders. Der Herausgeber der kritischen Offenbach-Edition, Jean-Christophe Keck, musste daher von Paris über Köln bis nach Washington reisen, um die Manuskripte und Autografen von Offenbachs zerstückeltem Großen Violoncellokonzert einzusammeln und daraus eine authentische Fassung zu rekonstruieren. Und weil Keck bereits mit dem Dirigenten Marc Minkowski für frischen Wind in Offenbachs Opéra-Bouffes "La Grand-Duchesse de Gérolstein" und "La Belle Hélène" gesorgt hatte, fand er in ihm nun auch beim originalen Cellokonzert einen dankbaren Abnehmer. Für den Solopart des 1847 uraufgeführten Dreisätzers holte sich Minkowski den französischen Cellisten Jérôme Pernoo, der alle Hände voll zu tun hatte. In den frech-schnittigen Koloraturen, ausladend romantisch-schwelgenden Kantilenen und vor allem im Finalsatz mit seinem technisch enorm anspruchsvollen Parcours, bei dem man erahnen kann, warum der junge Offenbach als reisender Cellovirtuose sein Publikum aus den Sitzen gerissen hat. Eine glatte Dreiviertelstunde dauert die weltersteingespielte Version dieses Konzertes, das mit seinen Bläserfanfaren und strammen Schlagzeugparaden den Untertitel "Concerto militaire" durchaus zu Recht trägt. Und obwohl Jérôme Pernoos glanzvolles Spiel selbst in den gemeinsten Flageolettpassagen kaum zu übertreffen sein dürfte, während Minkowski mit seinen wie gewohnt zugkräftig auftrumpfenden Musiciens du Louvre brilliert, muss man vermuten, dass das Konzert eher als Kuriosität seinen Weg in die Orchesterprogramme machen wird. Bei allem markanten wie bunten Offenbachflair gibt es zwischendurch doch immer wieder konventionsbeladenen Leerlauf, der nicht zuletzt an die Violinkonzerte Paganinis erinnert. Wenigstens reichte die Laufzeit dieser mit "Offenbach Romantique" getauften Einspielung noch aus, um mit bekannten Offenbachschlagern auf die Opernbühne und damit zur eigentlichen Domäne des kölschen Wahlparisers zurückzukehren. Mit der Ouvertüre zu "Orphée aux enfers", in der Minkowski es sehnig blitzen und funkeln lässt, dem "Ballet des Flacons de neige" aus "Le Voyage dans la lune" sowie mit u. a. der Ouvertüre zu den "Rheinnixen", die Offenbach später als Barcarolle in "Les Contes d´Hoffmann" unsterblich machte.

Guido Fischer, 02.02.2007



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zugegeben: Letzte Woche haben wir mit unserer CD-Empfehlung ganz schöne Hör-Kalorien aufgetischt. Dagegen wirkt das a-capella-Album deutscher Adventslieder von Schwesternhochfünf wie ein Spaziergang im Winterwald: klar, kühl, konzentriert. Die Stimmen beginnen im Einklang wie ein Schwesternkonvent der Hildegard-von-Bingen-Zeit, doch schon, wenn beim Arrangement von „Maria durch ein Dornwald ging“ hörbar ein Geflecht aus Sekunden und Reibungen zu flirren beginnt, zeigt das Album, was in […] mehr »


Top