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Jacques Offenbach

Les contes d’Hoffmann

Aquiles Machado, Konstantin Gorny, Maria Bayo u.a., Sinfonisches Orchester Bilbao, Alain Guingal, Giancarlo del Monaco

Opus Arte/Naxos OA 068 D
(185 Min., 5/2006) 2 DVDs

Endlich trägt Offenbachs Opus Ultimum seinen Titel einmal zu Recht: Während allzu oft die drei weiblichen Liebesobjekte dem Dichter die Show stehlen, dreht sich in dieser Produktion der Oper Bilbao alles um Hoffmann. Und das szenisch wie musikalisch. In einer Trinkerhöhle mit vollgekritzelten Wänden siedelt Giancarlo del Monaco seine Inszenierung an. Sein Hoffmann ist ein verkrüppelter Losertyp, der mit seinen Contes fantastiques einer trostlosen Gegenwart zu entfliehen versucht. Selbst im Giulietta-Akt bleibt das düstere Kaschemmendekor gegenwärtig, die Wahngebilde der drei Akte zerfließen so schnell, wie sie entstehen. Und Aquiles Machado, der neueste Tenorimport aus Lateinamerika, spielt und singt diesen Cousin Quasimodos als einen Menschen, der durch die Spannung zwischen Traum und Realität zerrissen wird: Mit zärtlich-verletzlichen Pianophrasen, rebellischer Attacke und sogar einer guten Portion Sarkasmus. Nach Domingo, Shicoff und Alagna ist Machado damit fraglos der nächste große Hoffmann. Gegen diesen Dichter haben die Geschöpfe seiner Fantasie keine Chance, nicht einmal Maria Bayo, deren schmaler Sopran letztlich doch zu wenig Farben für die Antonia besitzt. Alain Guingal entlockt dem überraschend guten Orchester einen trocken spritzigen, in seiner Bläserdominanz klassisch französischen Klang, das spanische Fernsehen hat die Produktion leider etwas arg betulich abgefilmt. Ein Hoffmann für Tenorfetischisten.

Jörg Königsdorf, 19.05.2007



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