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Giovanni Pierluigi da Palestrina, Gregorio Allegri

Live In Rome. Celebrating Palestrina’s 400th Anniversary

The Tallis Scholars, Peter Phillips

Gimell/Codaex GIMDP 903
(81 Min., 2/1994) DVD 9, Format 4:3, PAL

Ein Fest für alle Liebhaber von Geistlicher Musik der Renaissancezeit: Peter Phillips und seine Tallis Scholars, ein Ensemble, das seit seiner Gründung im Jahre 1973 auf dem genannten Gebiet Interpretationsgeschichte schrieb, ehren Giovanni Pierluigi da Palestrina in seinem vierhundertsten Todesjahr an einer der Stätten seines Wirkens. Die Basilika Santa Maria Maggiore in Rom bietet eine traumhafte Kulisse für die Musik Palestrinas, der dort als Chorknabe und später als Kapellmeister beschäftigt war. Wer während des Hörens die Schönheiten des reich mit Fresken ausgestatteten Kirchenraumes kennen lernen will, kann diese Option anfangs im Menü auswählen; andernfalls bekommt er hauptsächlich das Ensemble und den Dirigenten in den Blick.
Im Zentrum des Programms steht mit der Missa Papae Marcelli ein Werk, das nicht nur der Legende nach, sondern gemäß neueren Forschungen wohl auch tatsächlich die glückliche Entscheidung des Tridentinischen Konzils mit beeinflusste, kein Verbot mehrstimmiger Kirchenmusik in der Liturgie auszusprechen (Stein des Anstoßes war die vom Klerus häufig bemängelte künstlerische Verselbständigung der Geistlichen Musik einschließlich mangelnder Textverständlichkeit und häufiger Verwendung weltlicher Cantus firmi gewesen). Phillips und seine Sänger interpretieren diesen überaus klaren, strahlkräftigen und feierlichen Messzyklus mit aller Perfektion, die man von einem Spitzenensemble in einer Live-Situation erwarten kann: Abgesehen von einem häufig etwas dominanten Bassisten fasziniert die klangliche Ausbalanciertheit sowie die praktisch vollkommene Intonationsreinheit. Es sind bewährte Vokalistinnen wie Tessa Bonner, Salley Dunkley und Ruth Holton, die im Diskant für unverwechselbaren Glanz und schwereloses Strömen sorgen.
Von Palestrina erklingen neben einigen Motetten außerdem sein berühmtes doppelchöriges Stabat mater und ein Magnificat primi toni. Hinzu kommt Gregorio Allegris Miserere, jenes Stück, das Jahrhunderte lang nicht kopiert werden durfte und angeblich einst vom 14-jährigen Mozart aus dem Gedächtnis notiert wurde (was kein so großes Kunststück ist, da Allegri den Psalm 51 mittels eines von Vers zu Vers wiederholten, freilich recht prachtvollen Falsobordone-Modells vertont hat); für dieses Werk positionieren sich die Tallis Scholars an drei verschiedenen Stellen im Raum: Die ungeradzahligen Verse werden traditionsgemäß von zwei alternierenden Ensembles antiphonal vorgetragen, deren eines sich einer ausgezierten Version mit spektakulär hoch geführtem Diskant bedient; die geradzahligen Verse erklingen in gregorianischer Einstimmigkeit, vorgetragen von einer "Schola" aus zwei Sängern. Hätte es sich um eine Studioproduktion gehandelt, wären die hohen Cs von Deborah Roberts vielleicht noch ein wenig lockerer gekommen; dies ist allerdings fast schon eine Spitzfindigkeit angesichts der brillanten Gesamtleistung.
Wer nach dem Rom-Konzert noch mehr Palestrina hören möchte, kann sich auf eine reine Audio-Spur dieser DVD begeben: Als Bonus sind darauf zwei weitere Messen des Meisters enthalten, darunter die wundervolle sechsstimmige Missa Assumpta est Maria.

Michael Wersin, 04.12.2004



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