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Giovanni Pierluigi da Palestrina

Offertoria

Choir of Trinity College Cambridge, Richard Marlow

Chandos/Codaex CHAN 0732
(68 Min., 7/1999) 1 CD

Palestrinas Offertorien (Offertoria totius anni secundum Sanctae Romanae Ecclesiae consuetudinem), 1593 in Rom im Druck erschienen, sind ein ebenso unbekannter wie faszinierend schöner Werkzyklus: Unbekannt, weil die insgesamt 68 Stücke weitestgehend nur in der alten Palestrina-Gesamtausgabe (die man lediglich in Bibliotheken findet) in alten Schlüsseln verfügbar sind; faszinierend schön, weil es sich hier um satztechnisch beglückend vollkommene Kompositionen handelt, in denen ein gutes Maß an Wort-Ton-Bezug (soweit im vokalpolyphonen Stil möglich und sinnvoll) auf sehr gelungene Weise mit perfekt beherrschter polyphoner Struktur auf der Basis höchst organischer Melodiebildung verbunden ist.
Es handelt sich bei den "Offertoria", wie der Name sagt, um Vertonungen der lateinischen Gabenbereitungstexte der Messproprien vieler wichtiger Sonn- und Festtage des Kirchenjahres. Zyklische Propriumsvertonungen sind in der Kirchenmusik – verglichen mit der hohen Zahl von Messkompositionen – sehr selten. Palestrina verzichtet bei der Themenbildung übrigens auf die Anlehnung an die jeweiligen gregorianischen Melodien; es handelt sich um ganz freie Kompositionen.
Die vorliegende CD mit einer Auswahl der "Offertoria" ist derzeit die einzige Einspielung eines größeren Teils dieser Stücke; sie stammt bereits aus dem Jahre 1999 und ist zuvor bei einem anderen Label erschienen, das offenbar nicht mehr liefert. Sie jetzt wieder auf dem Markt vorzufinden, ist eine große Freude, denn es handelt sich um eine qualitativ sehr gute, umsichtig und konsequent durchgestaltete Interpretationsleistung mit viel Gespür für den Textinhalt. Wenn auch der Choir of Trinity College nicht ganz das stimmliche Niveau von Spitzenensembles wie den Tallis Scholars aufbringt, so ist die ganze Produktion doch geprägt von überzeugender Stimmkultur, hervorragendem Gespür für den Stil und großer Detailgenauigkeit auf allen Ebenen. Ein Glücksfall.

Michael Wersin, 02.06.2007



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