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Sergei Prokofjew

Romeo und Julia (Auszüge aus dem Ballett)

Berliner Philharmoniker, Claudio Abbado

Deutsche Grammophon 453 439-2
(70 Min., 4/1996) 1 CD

Sergei Prokofjew selbst hat noch vor der Bühnenpremiere seines grandiosen Shakespeare-Balletts im Jahr 1940 drei verschiedene Suiten aus der Ballettpartitur herausdestilliert. Diese Tatsache allein rechtfertigt nach Claudio Abbados Meinung den Versuch eines eigenen Orchester-Extrakts. Sein Ziel sei es gewesen – so Abbado in seinem Beiheft-Text – "den sinfonischen Anspruch mit dem Handlungscharakter des Balletts in Einklang zu bringen". Und es scheint ihm hier wirklich geglückt zu sein, in zwanzig der zweiundfünfzig Ballettnummern den bekannten Verlauf der "Romeo-und-Julia"-Tragödie plausibel zu komprimieren und zugleich die Umrisse der Handlung zu bewahren.
Die enorme Suggestivität seiner knapp siebzigminütigen Fassung verdankt sich aber in erster Linie dem fanatischen Einsatz der Berliner Philharmoniker, die hier über ihre gewohnt hohe Spielkultur hinaus mit einer solchen Brillanz und Attacke zu Werke gehen, als wollten sie mit allem Nachdruck jeden Verdacht einer "Bühnen-Gebrauchsmusik" von sich weisen.
Hier paart sich Virtuosität mit sinfonischer Strenge und verdichtet sich zu einem beeindruckenden Plädoyer für die Autonomie und die handlungsstiftende Kraft von Prokofjews Orchestersatz. Die akustische Qualität der in der Berliner Philharmonie gefertigten Aufnahme ist so perfekt und sauber, dass man dem Zusatz "Live Recording" misstrauen sollte.

Attila Csampai, 28.02.1998



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