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Somewhere

Bill Charlap-Trio

(53 Min., 10/2003) 1 CD, Blue Note/EMI 594 808-2

Die Beschäftigung mit Musical-Melodien wurde dem Pianisten Bill Charlap gewissermaßen in die Wiege gelegt: als Sohn des Broadway-Songwriters Moose Charlap hatte Bill schon von klein auf persönlichen Kontakt mit Komponisten vom Schlage eines Richard Rogers. So etwas prägt. Vor zwei Jahren sorgte Charlap junior mit seiner Hoagy-Carmichael-Hommage "Stardust" für Aufhorchen; nun hat er sich zusammen mit seinen Trio-Kumpanen Peter und Kenny Washington an Bass und Schlagzeug einen ganz besonderen amerikanischen Tonsetzer vorgeknöpft. Leonard Bernstein gilt zwar als einer der wichtigsten und populärsten Vermittler zwischen Klassik, Jazz und Volksweisen, doch seine Songs haben sich nicht wirklich als Standardmaterial in der Improvisatoren-Gilde durchsetzen können. Möglicherweise sind sie zu stark auskomponiert, lassen zu wenig Freiheit, als dass sich Jazzer mit Freudenschreien darauf stürzen würden.
Eigentlich schade. Charlap zeigt nämlich, dass es durchaus möglich ist, Bernsteins Musical- und Ballett-Stücke in schlüssige Real-Book-Schlager zu verwandeln. Er tut dies sehr elegant, sehr cool, sehr laid back. Manchmal auch einen Tick zu parfümiert, wenn die Glissandi pathetisch aufschäumen und allzu viel kunstliedhafte Verinnerlichungs-Anstrengung deutlich wird. Mögen die rhythmisch packenden West-Side-Story-Faustschläge "Cool", "Jump" und "America" im Detail noch so sehr aufmerken lassen - es fehlt den restlichen Interpretationen bisweilen an der nötigen Portion Dreck, um der Barjazz-Falle zu entkommen.

Josef Engels, 21.08.2004



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