Hoher Besuch an der Stuttgarter Staatsoper: Renata Tebaldi und George London gastierten dort im Juni 1961 in Giacomo Puccinis "Tosca", ergänzt durch das glänzend disponierte Ensemblemitglied Eugene Tobin als Cavaradossi. Eindrucksvoll, was dieses Haus in jenen Jahren allein aus eigener Kraft auf die Beine stellen konnte (die hervorragende Qualität der Stuttgarter Oper in jener Zeit kommt u. a. in der Biografie Fritz Wunderlichs zur Sprache, der Ende der fünfziger Jahre dort seine ersten bedeutenden Schritte machte); mit Hilfe der beiden hinzu engagierten Weltstars kam in der baden-württembergischen Metropole mühelos große italienische Oper zustande.
Die vorliegende Schwarzweiß-Produktion mit eher schlechter Bildqualität ist übrigens das einzige komplette Filmdokument von George London, der als Scarpia mit seiner gewaltigen Bassbariton-Stimme wahrlich Eindruck zu machen verstand, wenn er in dieser Rolle auch nicht die dämonische Boshaftigkeit erreicht, die Tito Gobbi drei Jahre später in Covent Garden stimmlich und darstellerisch vermittelte (auf DVD erschienen bei EMI). Ähnlich fällt der Vergleich zwischen Renata Tebaldi und ihrer Konkurrentin Maria Callas aus: Renata Tebaldi bleibt immer etwas statuenartig, zeigt selbst in den aufwühlendsten Szenen des 2. Aktes nicht die emotionale Beteiligung, die die Callas in jeder Minute ausstrahlte. Dennoch: Es handelt sich hier um eine Tosca auf gutem Niveau und um ein wertvolles Filmdokument der deutschen Operngeschichte außerdem.

Michael Wersin, 14.06.2003



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