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The Ultimate Adventure

Chick Corea

Concord/Universal 00134 3190452
(72 Min.) 1 CD

2001 gönnte sich Chick Corea anlässlich seines 60. Geburtstags etwas ganz Besonderes. Drei Wochen lang belegte er den New Yorker Jazzclub Blue Note und hielt eine wahrhaft gigantomanische Rückschau auf seine beeindruckende Karriere. Er lud so viele ehemalige Weggefährten ein, dass der Video-Mitschnitt zehn prall gefüllte DVDs abwarf.
In gewisser Weise ist sein erstes Album nach der Großtat "Rendezvous in New York" eine Fortführung der technisch brillanten Vergangenheitsbewältigung. Auch auf "The Ultimate Adventure" spielt Corea nun mit Leuten, mit denen er schon lange keine gemeinsame Sache mehr gemacht hat. Da wäre etwa der Perkussions-Derwisch Airto Moreira, der 1972 das letzte Mal zusammen mit dem Keyboarder im Studio gewesen war - bei der Einspielung des Klassikers "Light as a Feather". Noch länger ist es her, dass Corea mit dem Flötisten Hubert Laws kollaborierte, nämlich geschlagene 36 Jahre.
Und ja, es scheint, als sei die Zeit ein bisschen stehen geblieben. Denn "The Ultimate Adventure" klingt wie eine Abenteuerreise in die Ära, als der Jazzrock von Return to Forever die Massen elektrisierte. Es wabert das E-Piano, jubiliert der Flügel, pluckert die Perkussion und schnurrt der E-Bass. Corea gibt in seinen neuen Stücken, die er in suitenartiger Mehrteiligkeit angeordnet hat, wieder viel von seinem spanischen Herzen preis. Er streckt dabei, das ist die wahre Neuerung, auch seine Fühler nach dem Orient und Nordafrika aus. Nicht umsonst klingt die Komposition "North Africa" ein wenig wie das programmatische Update des Corea-Standards "Spain".
Die Liebe des Keyboarders für barocke Schnörkel, arabesk unübersichtliche Arrangements und esoterisch anmutende Synthesizer-Sounds wird beim "Ultimate Adventure" jedoch teilweise arg auf die Spitze getrieben. Alles in allem: ein eher hartes Fladenbrot, das durch die dominante, süßsaure Flötensoße genießbar gemacht werden soll. Na ja.

Josef Engels, 14.04.2006



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